Fakten von

Die Fronten sind noch aktuell

Peter Pelinka © Bild: NEWS

Die Erregung war Tassilo Wallentin abzulesen: Gegen die „Zwangssexualisierung aller Kinder unter Ausschaltung der Eltern“ sollten die „Betroffenen mit Verfassungsklagen“ vorgehen, schrieb der neue Star der „Krone“, Anwalt der Eigentümerfamilie und in Verfassungsrechtsfragen schon als Anwalt für HC Strache (gegen die EU) tätig. Anlass der (journalistischen, noch nicht juridischen) Klage: der Entwurf (!) für die Neuformulierung eines Grundsatzerlasses für „Sexualerziehung an den Schulen“, Erstfassung 1970 (!). Danach sollen schon Kinder „lustvolle Zugänge zu ihrem eigenen Körper“ und „alle Aspekte von Sexualität“ kennenlernen – auch Homo- oder Transsexualität.

Wer glaubt, das könne unter Beiziehung von Experten gerade in Zeiten der allgegenwärtigen Conchita oder gar der auf jedem Handy abrufbaren Pornografie nur sinnvolle Aufklärung bieten, irrt laut Wallentin (und wohl auch aller reaktionären Muftis dieser Welt). Das führe zur „Zwangssexualisierung“ von Kindern – als sei nicht seit Jahrzehnten klar, dass die schon als sexuelle Wesen zur Welt kommen (nachzulesen auch bei Wallentins Kollegin Gerti Senger) und es daher gut ist, sie altersgemäß auf den oft komplizierten Umgang damit vorzubereiten. Eine große Mehrheit in Österreich ist dafür: Nur elf Prozent halten Sexualerziehung erst ab 14 für gut.

Auch um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern – und damit oft deren ungeliebtestes Ende, den Abbruch. Seit Jahrhunderten litten Frauen darunter, die ärmeren verbluteten bei Engelmachern, die reicheren trieb es ins Ausland. Erst die 1975 in Kraft getretene Fristenlösung machte den Abbruch während der ersten drei Schwangerschaftsmonate straffrei. Motor dahinter (wie 1970 beim ersten Erlass zur Sexualerziehung) war Johanna Dohnal: die umstrittenste, weil neben Hertha Firnberg gestaltungsmächtigste Politikerin nach 1945. Ihre Bemühungen, damals heftig bekämpft, scheinen noch heute aktuell. Tassilo Wallentin fände übrigens genug echten Anlass, gegen die „Zwangssexualisierung“ von Kindern zu wettern¬– im Inseratenteil seiner Zeitung.

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