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Warum bleibt bei Gelb keiner stehen?

Wolfgang Kralicek © Bild: NEWS

Erinnern Sie sich noch? „Bei Rot da steh, bei Grün da geh, bei Gelb gib acht!“ So hat man es uns einst eingebläut. Aber so stimmt es längst nicht mehr. Den letzten Teil der Regel haben die Autofahrer nämlich radikal umgeschrieben. Er lautet jetzt: „Bei Gelb gib Gas!“

Noch unmissverständlicher als im Kindermerksatz hält die Straßenverkehrsordnung fest: „Gelbes nicht blinkendes Licht gilt als Zeichen für ,Halt‘. Bei diesem Zeichen haben die Lenker herannahender Fahrzeuge anzuhalten.“ Es empfiehlt sich nicht, diesen Paragrafen beim Wort zu nehmen. Wer bei Gelb anhält, riskiert mindestens empörte Hupsignale, wenn nicht gleich einen kapitalen Auffahrunfall. Bei Gelb über die Kreuzung zu fahren, ist ein Kavaliersdelikt. Eine kleine Gesetzesübertretung, die niemandem wehtut und deshalb allseits toleriert wird. Harmlos ist sie, weil die Ampeln zeitversetzt – eine Zeit lang haben alle Rot – geschaltet sind. Genau dieser vor Jahrzehnten einführte Sicherheitspolster in der Ampelschaltung hat die mittlere Ampelfarbe im Lauf der Zeit umgefärbt: Früher war Gelb eine Variante von Rot, heute ist es eine Art Grün.

Das wäre kein Problem, wenn es dabei bliebe. Die Autofahrer sind inzwischen aber schon einen Schritt weiter: Der Trend geht in Richtung Rotfahren. Das ist – dank Sicherheitspuffer – zwar immer noch keine akute Gefahr, aber langsam wird’s eng. Und irgendwann werden die Sicherheitspuffer so ausgereizt sein, dass sie keinen Sinn mehr haben. Dann könnte man die Ampeln wieder so schalten wie früher, als Gelb noch Gelb war.

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