Rotes Urgestein von

Josef Ackerls Abschied

SP-Politiker redet im NEWS-Interview Klartext: "Fühle mich von der ÖVP reingelegt"

Josef Ackerl © Bild: Ricardo Herrgott

Josef Ackerl tritt als SP-Chef in Oberösterreich ab und erklärt, warum er nicht so leicht ersetzbar ist.

Vom Herumreden hält er nichts. Josef Ackerl (67) war immer ein Unbequemer, gut für schnelle Sager, die es auch den eigenen Parteifreunden nicht leicht machten. Seit mehr als 20 Jahren ist er Landesrat in Oberösterreich und seit der Wahlschlappe seines Vorgängers Erich Haider im Jahr 2009 auch Landesparteichef. Am Samstag übergibt er an den 54-jährigen Reinhold Entholzer. Für die SPÖ sitzt er aber noch im Koalitionsverhandlungsteam. Der Partei wird er fehlen, sagt er im Interview: "Wer ist dann einer, der losprescht und losschießt?“

NEWS: Sie haben resümiert: 'Ich werde der Partei fehlen, davon bin ich überzeugt.’ Halten Sie sich für unersetzbar?

Ackerl: Ich bin gefragt worden und habe wahrheitsgemäß geantwortet. Hätte man mich gefragt, ob die Partei mir fehlen wird, hätte ich gesagt: Sie wird mir sehr fehlen. Es ist letztlich doch ein abruptes Ende.

NEWS: Sie gehen mit Wehmut?

Ackerl: Ich gehe mit Wehmut, ja.

NEWS: Wofür stehen Sie, was nach Ihrem Abgang nicht mehr in der SPÖ vertreten sein wird?

Ackerl: Das ist weniger das Inhaltliche, da gibt es etliche Menschen, die ähnlich denken. Aber es wird kaum jemanden geben, der mit einer gewissen unbedachten Spontanität Dinge sagt, wo andere lange überlegen - und dann doch nicht tun. Wer ist dann einer, der losprescht und losschießt?

NEWS: Sie agieren aus dem Bauch heraus?

Ackerl: Bei mir sind die Dinge gut unterlegt. Ich hab mir so manche Ansage leisten können, weil das Wissen um Zusammenhänge klare Positionen und spontane Antworten ermöglicht, wo andere sich nicht so leicht tun. Die Unbedachtheit, die Unverfrorenheit und die Nichtrücksichtnahme auf Gepflogenheiten sind nicht jedermanns oder jederfraus Sache. Darin bin ich nicht so leicht ersetzbar. Ist aber das eine oder andere Mal vielleicht eh gut.

NEWS: Etwa, als Sie auf Facebook Kathrin Nachbaur vom Team Stronach als "Stronach-Tussi“ bezeichneten - und dann zurücknehmen mussten?

Ackerl: Auf die Erregung wegen der Bezeichnung hätte man verzichten können. Mir geht es darum, die Inkompetenz von Menschen zu kennzeichnen, die sich in die Politik drängen und glauben, dass sie mit Heilslehren Veränderung herbeiführen können, die politische Inkompetenz an den Tag legen. Manchmal ist es gut, wenn man so draufhaut, manchmal nicht ganz so gut.

NEWS: Wofür steht die SPÖ heute überhaupt noch?

Ackerl: Für das Bemühen, den sozialen Wohlfahrtsstaat zu gewährleisten, auch mit Blick darauf, was in Zukunft daherkommt. Aber die Sozialdemokratie kann mit einem Stimmenanteil von weniger als 30 Prozent Sicherheit nur in beschränktem Ausmaß gewährleisten.

NEWS: Die Menschen fühlen sich durch die SPÖ immer weniger vertreten. Sie ist darin nicht mehr glaubwürdig.

Ackerl: Man kann nicht Blau oder Stronach wählen und dann sozialdemokratische Politik haben wollen. Dann müssen die Leute auch zur Kenntnis nehmen, dass sich die Handlungsmöglichkeiten der SPÖ reduzieren. Die empfindet das als sehr schmerzlich, weil sie andere Vorstellungen von Politik hätte als was im Kompromiss herauskommt. Die Mischung aus Wein und Wasser kann nie so gut schmecken wie ein guter Wein.

NEWS: Aber wo ist die Glaubwürdigkeit, wenn man den abgesetzten Klubchef mit einem zweiten Einkommen versorgt?

Ackerl: Stimmt, das macht kein gutes Bild. Aber die Auseinandersetzung darüber, auch innerhalb der Partei, ist reichlich pharisäerhaft, denn das Streben nach Mandaten und Einkommen ist mir von allen bekannt. Wenn einer, nicht ganz freiwillig, geht ist die Frage, welche Kompensation gibt’s dafür. Ob das gut ankommt oder nicht, ist gar nicht gefragt worden.

NEWS: Sie sind Jahrzehnte in der Politik und Zeuge des Niedergangs der SPÖ: an Inhalten und an Gewicht. Schmerzt das?

Ackerl: Ja. Andererseits bin ich auch Zeuge der Veränderung der Gesellschaft. Das trifft alle. Auch der Großteil der konservativen Parteien franst an den Rändern stark aus oder muss neuen Bewegungen der Ich-Gesellschaft Raum geben. Es schmerzt, dass wir Menschen mit sozialdemokratischem Gedankengut erzogen haben und die dann völlig anders handeln. Die dem Staat, der ihnen ermöglicht hat zu werden, was sie sind, jetzt einen Fußtritt geben und sagen: Es muss sich alles ändern.

NEWS: SPÖ und ÖVP haben im Wahlkampf eine Erhöhung der Familienbeihilfe und eine aufkommensneutrale Steuerreform versprochen. Nach der Wahl heißt es: Tut uns leid.

Ackerl: Die Außenvermittlung ist eine von Getriebenen. Der Begriff Kassasturz, noch dazu von der ÖVP, die das Finanzministerium geführt hat, ist ein Wahnsinn. Um es deutlich zu sagen: Ich meine ÖVP-Chef Michael Spindelegger und Co. Wir vereinbaren, dass wir in Ruhe beraten und dann nach außen gehen, und dann geben die Landeshauptmänner Wallner und Pühringer laufend Interviews. Ich fühle mich von der ÖVP reingelegt. Wir haben uns wieder einmal zu nett und vornehm verhalten. Beim ersten Ausrutscher der ÖVP hätte man reagieren müssen. Ich sage: Zuviel gefürchtet ist auch gestorben.

NEWS: Muss Bundeskanzler und SPÖ-Chef Faymann da deutlich werden?

Ackerl: Es ist für die innere Situation der SPÖ sehr wichtig, dass das passiert.

NEWS: Was machen Sie ab Samstag?

Ackerl: Ich bleibe bis 22. Jänner Regierungsmitglied. Dann werde ich mich verschiedener inhaltlicher Fragen annehmen und werde Ansprechpartner der Jungen sein: der rote Großvater der Parteijugend.

Kommentare

Oliver-Berg
Oliver-Berg melden

Warum sich grantelnder Ex-SPÖ-Politiker über die ÖVP aufregt, kann nicht nachvollzogen werden. Es zeigt die Geisteshaltung, das man jeden Fehler des Koalitionspartners schonungslos aufdecken muss und will. Allerdings besudelt sich die ÖVP gerade selber, mit dem Budgetlöchern, die nun offensichtlich geworden sind. Da spielt es keine Roller wer was was hätte opportunistisch hätte sagen sollen.

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Naja Fehler aufdecken ist nicht immer was schlimmes. Und man muss ja nicht gleich persönlich werden, aber sagen was Sache ist muss erlaubt sein.Nicht jeder eignet sich für Diskussionen,bei denen man Händchen hält. Und nichts erzeugt zumindest bei mir soviel Aggressionen wie eine Auseinandersetzung,bei fünf Stunden nicht Tacheles geredet wird, weil es halt ein allgemeines Nettigkeitsgebot gibt.

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