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Der Stellenwert von Sotschi

Natürlich nutzt der autoritäre Putin die Winterspiele für sich

Inside - Der Stellenwert von Sotschi © Bild: NEWS/Herrgott Ricardo

Natürlich nutzt der autoritäre Putin die Winterspiele für sich – wie alle Politiker das tun würden. Aber das ist kein Grund, das Ereignis zu boykottieren – im Gegenteil.

Ein natürliches Naheverhältnis: wenn Sportler große Erfolge feiern, sind rasch auch Politiker dabei. Weil sie an deren Popularität mitnaschen wollen. So wie sich auch Sportler/Manager/Funktionäre oft an Politiker ranmachen, weil sie auf deren Unterstützung für ihre Subventionierung hoffen. Erst eben hat dies ein niederösterreichisches Erfolgsduo demonstriert: nachdem der neue Springerstar Thomas Diethart in Bischofshofen die Vierschanzentournee gewonnen hatte, herzte ihn neben seinem leiblichen Vater der blau-gelbe Landesvater. Erwin Pröll feiert die Erfolge seiner engeren Landsleute besonders hautnah. Umso mehr, als es tatsächlich sensationell ist, dass ein Flachländer wie Diethart fast aus dem Nichts die Erfolgs verwöhnten "Westler" abgehängt hat.

Anders die Nutzung des Sports in autoritären, gar diktatorischen Systemen. Hitler wollte 1936 in Berlin mit den Olympischen Spielen sein verbrecherisches System human verkleiden – obwohl die Nazis tobten, dass der Schwarze Jesse Owens Superstar wurde. Umgekehrt boykottierten viele Staaten Moskau 1980 aus Protest gegen den Sowjet-Einmarsch in Afghanistan. 2010 wurde mit weniger Erfolg versucht, die Spiele in China als Protestbühne gegen Peking zu ge(miss?)brauchen. Immerhin: stets gab es darüber globale Debatten. Nun soll, ja muss das auch in Sotschi geschehen. Kein Zweifel: in Putins System werden Menschenrechte missachtet, nicht nur von Homosexuellen. Aber Sotschi ist Putin so wichtig, dass er davor Kritiker frei ließ, natürlich nicht aus Nächstenliebe. Generell: wenn Olympische Spiele nur mehr in lupenreinen Demokratien steigen dürfen, wird es bald keine mehr geben.

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