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Gorbatschow hatte und hat recht

Gut, dass der sowjetische Ex-Staatschef vor 25 Jahren sein Reich zerfallen ließ.

Der ehemalige Sowjetführer Michail Gorbatschow © Bild: Ralf Juergens/Getty Images

Gut, dass der sowjetische Ex-Staatschef vor 25 Jahren sein Reich zerfallen ließ. Ebenso gut, dass er heute vor einem neuen Kalten Krieg gegen Russland warnt.

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Beim tollen Jubiläumsfest zum 25. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin wurde er gefeiert wie ein Popstar: „Unser Gorbi“, wie ihn Noch-Bürgermeister Klaus Wowereit ankündigte. Tatsächlich wäre der durch den Mauerfall symbolisierte Zusammenbruch der DDR und danach des gesamten Ostblocks ohne Michail Gorbatschow unmöglich gewesen. Er ließ es zu, dass Zug um Zug die (post-)stalinistischen Systeme (fast) ohne Blutvergießen gestürzt wurden. Gorbatschow hat historisch recht behalten und wurde dafür zu Recht 1990 mit dem Friedensnobelpreis belohnt.

Umso mehr sollten seine Worte heute internationales Gehör finden, wenn er vor einem „neuen Kalten Krieg“ warnt. Der Westen, vor allem die USA, hätte seine Versprechen nach der Wende von 1989 nicht eingehalten, manchen Politikern seien „Euphorie und Triumphalismus in den Kopf gestiegen“. Sie hätten Russlands Schwäche ausgenutzt und das Monopol auf die Weltführung erhoben, auch aktuell: „Die Ereignisse der vergangenen Monate sind die Konsequenzen einer kurzsichtigen Politik, die darauf abzielt, vollendete Tatsachen zu schaffen und die Interessen des Partners zu ignorieren.“

»„Seine Botschaft lautet damals wie heute: keine Mauern, Wandel durch Dialog.“«

Was „Gorbi“ damit meinte, ist klar: Nicht erst seit dem Konflikt um die Ukraine versuchen westliche Politiker, Putin noch mehr zu isolieren, als er es selbst tat. Erhard Busek, sicher ebenso wenig ein Freund Putins wie Gorbatschow, hatte mir bereits im Februar nach einem „Im Zentrum“ die mögliche Annexion der Krim angedeutet: Putin werde die russische Schwarzmeerflotte nicht in „fremde“ Hände fallen lassen. Je mehr ihm mit Sanktionen, Manövern und NATO-Expansionsplänen gedroht wird, umso stärker wird er innenpolitisch, umso ernster die Weltlage.

Das Berliner Kanzleramt hat Gorbatschows Rede leicht abschätzig kommentiert: Gorbatschow sei ein Mann der Zeitgeschichte. In Wirklichkeit ist er sehr aktuell. Seine Botschaft lautet damals wie heute: Weg mit Mauern, Wandel durch Dialog.

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