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Der große Hypo-Showdown

Es geht um Ihre Milliarden. Was Sie jetzt wissen müssen.

hypo © Bild: APA/Eggenberger

Am Freitag, 11. März um 17 Uhr fällt die Entscheidung, am Montag darauf wird sie offiziell bekannt gegeben. Geht der Plan von Finanzminister Hans Jörg Schelling auf, zumindest einen kleinen Teil der Verluste der Hypo Alpe Adria nicht von den österreichischen Steuerzahlern begleichen zu lassen? Oder folgen Jahre der rechtlichen Unsicherheit und vielleicht sogar eine Pleite Kärntens? Wenn Sie wissen wollen, wie es um Ihre Milliarden steht, sollten Sie folgende Fragen beantworten könnten.

Wer sind eigentlich die Hypo-Gläubiger, von denen immer die Rede ist?

Das sind Banken, Fondsgesellschaften und andere Investoren, die der Kärntner Hypo in ihren goldenen Zeiten vor dem Jahr 2007 Geld geborgt haben. Im Gegenzug haben sie Wertpapiere bekommen, sogenannte Anleihen, die eine bestimmte Laufzeit haben. Ist diese vorüber, sollten die Gläubiger ihr Geld zurückerhalten. Durch die Hypo-Pleite kann die Bank aber nicht alles bezahlen.

Was hat es mit den plötzlich problematischen Landeshaftungen auf sich?

Damit sich die Investoren mit weniger Zinsen für die Anleihen zufriedengeben, hat das Land Kärnten eine Haftung für die Rückzahlung übernommen. Das war EU-rechtlich bis 2007 möglich, und Kärnten hat es in extremem Maße ausgenutzt. Jetzt ist die Hypo pleite, und das Land müsste zahlen.

Um wie viel Geld geht es da?

Es geht um 10,8 Milliarden Euro, für die das Land haftet. Geht der Deal mit den Gläubigern durch, verzichten diese in einem ersten Schritt auf bis zu 3 Milliarden Euro. Wer zustimmt, bekommt 75 Prozent seines Kapitals zurück und innerhalb von ein paar Tagen das Geld überwiesen – insgesamt bis zu 7,8 Milliarden Euro. 1,2 Milliarden Euro würden vom Land Kärnten kommen, dem der Bund mit einer Vorfinanzierung unter die Arme greift. Der Rest soll vorfinanziert werden und letztlich aus dem gedeckt werden, was die Reste der Hypo, die mittlerweile Heta heißt, in den nächsten Jahren an Geld einbringen.

Warum sollten die Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten?

Das ist die Kernfrage. Akzeptieren die Gläubiger das Angebot, bekommen sie 75 Prozent innerhalb von ein paar Tagen. Dank eines Zusatzangebotes durch den Finanzminister können Sie das Geld umgehend beim Bund für 18 Jahre anlegen und so rechnerisch auf 82 Prozent kommen. Beharren sie darauf, hundert Prozent ausbezahlt zu bekommen, müssen die Gläubiger das wohl vor Gericht durchfechten. Das würde Jahre dauern, und ob am Ende tatsächlich mehr herauszuholen ist, gilt als umstritten. In der Zwischenzeit würde jedenfalls die Finanzmarktaufsicht einen noch brutaleren Schuldenschnitt verordnen. Die Gläubigerfirmen müssten die Anleihen dann in ihren Bilanzen weiter abwerten.

Geht Kärnten pleite, und was bedeutet das?

Das Angebot an die Gläubiger gilt nur, wenn die Halter von mindestens zwei Drittel des Gesamtvolumens der Anleihen zustimmen. Scheitert das Angebot, und die Gläubiger wollen sofort ihr Geld sehen, könnte Kärnten pleite gehen. Dann muss sich das Land eventuell von der einen oder anderen verbliebenen Beteiligung trennen. Es würde allerdings versuchen, möglichst viel seines Vermögens unter die sogenannte „Bestands- und Funktionsgarantie“ zu stellen. Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser Verwaltungsgebäude und Verkehrsinfrastruktur würden quasi unter das Existenzminimum fallen, das auch bei einer Insolvenz nicht abgegeben werden muss.

Wie groß sind die Chancen, dass die Gläubiger das Angebot annehmen?

Die Chancen sind durch das Zusatzangebot von Finanzminister Schelling gestiegen. Trotzdem haben mehrere Gläubigergruppen erklärt, dass es ihnen immer noch nicht genügt. Da es um viel Geld geht, wird aber wohl bis zur letzten Sekunde gepokert.

Wie viel Geld hat uns die Hypo bisher gekostet?

Der Finanzminister hat den bisherigen Schaden für den Bund vor wenigen Tagen im News-Interview mit 5,5 Milliarden Euro beziffert. Bis alles abgewickelt ist, wird es aber sicher noch Jahrzehnte dauern. Im Endeffekt rechnen manche mit einem Verlust in deutlicher zweistelliger Milliardenhöhe.

Wer ist schuld an der Hypo-Misere?

Sorry. Die Liste mit Namen und Institutionen würde die Kapazität dieses Servers sprengen. In den vergangenen fünf Jahren hat News Ihnen allerdings einen guten Überblick verschafft.

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