NEWS: Genies von morgen - In Österreich leben 30.000 Kinder mit einem IQ über 130

Super-Hirne: Helle Köpfchen haben's oft nicht leicht Plus: <b>BILDER</b> - Sieben hochbegabte Kids im Porträt!

NEWS: Genies von morgen - In Österreich leben 30.000 Kinder mit einem IQ über 130

Als Rupert fünf Jahre alt war, stand er eines Tages vor einem Rätsel. Einem Rätsel, dessen Lösung ihn plötzlich mehr interessierte als alle seine Bauklötze und Rennautos zusammen. Ein Fotograf hatte an diesem Tag Ruperts Kindergarten besucht, um die insgesamt 72 Mädchen und Burschen auf Bilderserien zu verewigen. Von jedem Kind sammelte er dafür 24 Euro ein...

"Wie viel hat der Fotograf im ganzen Kindergarten verdient?" Das war die Frage, die der kleine Rupert seinem Papa stellte, als er an diesem Nachmittag nachhause kam. Doch Vater Gernot wimmelte seinen Sohn ab. Also verschwand der Knirps in seinem Zimmer und dachte nach. Eine Viertelstunde später kam Rupert wieder zu seinem Papa und verkündete voller Stolz: "1.728 Euro. Stimmt's?" Während sich Gleichaltrige mit einstelligen Zahlen plagten, hatte Rupert die Anzahl der Kindergartenkinder mit dem Preis pro Fotoserie multipliziert. Im Kopf. Und das Ergebnis stimmte.

Ein Jahr später kam der kleine Wiffzack in die Volksschule. Und entgegen allen Erwartungen war er kein guter Schüler. Rechenübungen löste Rupert meist als Letzter, manchmal störte er sogar den Unterricht. "Wir verstanden nicht, wie das sein konnte. In seiner Freizeit beschäftigte sich unser Sohnemann doch gerne mit Mathe", erinnert sich Ruperts Vater.

Schließlich informierten sich die Eltern beim Österreichischen Begabtenzentrum in Salzburg und ließen einen Intelligenztest durchführen. Das Ergebnis: hoch begabt. Mit seinen sechs Jahren war der autodidaktische Rupert im mathematisch-analytischen Bereich bereits auf dem Stand eines 14-jährigen Gymnasiasten. Kein Wunder, dass ihn einfache Plus-Minus-Rechnungen zum Gähnen brachten.

Clever im Verborgenen
Rund 2,5 Prozent aller österreichischen Pflichtschüler zwischen sechs und 18 Jahren sind hoch begabt. Diese insgesamt 30.000 Kinder und Jugendlichen verfügen über einen Intelligenzquotienten von mindestens 130 (70 Prozent der Bevölkerung liegen zwischen 85 und 115!) und fallen meist durch eine außergewöhnlich schnelle Auffassungsgabe sowie überdurchschnittliche Leistungen in mehreren Fachbereichen auf.

Trotz ihres hellen Köpfchens haben es die kleinen Einsteins aber nicht immer leicht. "Erfährt ein hoch begabtes Schulkind eine permanente Unterforderung durch sein Umfeld, kann das mitunter in Verhaltensauffälligkeiten und Leistungsverweigerung umschlagen", erklärt Waltraud Rosner, Geschäftsführerin des Österreichischen Begabtenzentrums (ÖZBF) in Salzburg.

Weniger schlaue Mädchen?
Grundsätzlich ist die Anzahl der superintelligenten Kinder natürlich auf beide Geschlechter gleich verteilt. Und trotzdem: Dass in Österreich doppelt so viele hoch begabte Burschen wie Mädels "entdeckt" werden, kommt nicht von ungefähr. "Während sich unterforderte Buben oft ziemlich aufführen, passen sich hoch begabte junge Damen häufiger ihrer Umwelt an und entwickeln manchmal sogar eine ausgeprägte soziale Ader, indem sie beispielsweise Hausübungen für Klassenkameraden erledigen.

Oft sind sie einfach sehr gute, aber kaum auffällige Schülerinnen", erzählt Kinderbuchautorin und MENSA-Mitglied Gerlinde Heil aus eigener Erfahrung. Sowohl ihre zwölfjährige Tochter Gudrun als auch ihr neunjähriger Sohn Gernot sind hoch begabt. Neben der Schule beschäftigen sich die quirligen Hobbyforscher momentan am liebsten mit Experimenten aller Art: In Mamas Arbeitszimmer fabrizieren sie Kunstschnee und züchten verschiedene Grillenarten. Und natürlich wird jeder wissenschaftliche Fortschritt von Gudrun in ihrem selbst angelegten "Forscherheft" dokumentiert.

Kleine Perfektionisten
Gerlinde Heil kennt aber auch die Dramen, die sich abspielen, wenn der Erfolg einmal auslässt: "Viele hoch begabte Kinder setzen sich selbst unter einen unglaublichen Druck und wollen immer alles perfekt machen. Wenn dann bei der Schularbeit einmal zwei Punkte fehlen, bricht gleich eine Welt zusammen!" Diese Situation kommt Birgit Friedl aus Salzburg bekannt vor.

Ihre neunjährige Tochter Helena besucht die vierte Klasse Volksschule und hat seit drei Jahren jeden Aufsatz völlig fehlerlos abgeliefert. "Nur ein einziges Mal, gleich in der ersten Klasse, ist ihr ein Schreibfehler unterlaufen", so Mutter Birgit, "über den wird sie sich wahrscheinlich in zehn Jahren noch ärgern!" Gerlinde Heil rät: "Wenn das Kind an seinen Fehlern verzweifelt, sollte man es durch gemeinsame Tätigkeiten möglichst schnell auf andere Gedanken bringen."

Kritik am Schulsystem
Obwohl mittlerweile mehrere Studien belegen, dass die vorhandenen Lern-und Trainingsmöglichkeiten darüber entscheiden, in welchem Ausmaß sich die kindlichen Begabungspotenziale entfalten können, orten viele Experten immer noch zu wenig Förderchancen für schlaue Kids. Günter Schmid, Direktor der Sir-Karl-Popper-Schule für Hochbegabte, kritisiert den österreichischen Lehrplan: "Die Schule ist in vielen Fällen sogar schuld an der Begabungsvernichtung."

Und: "Anstatt individuelle Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Begabungen in ein starres Klassenkorsett zu zwingen, würde ein flexibleres Schulsystem - beispielsweise mit altersübergreifenden Interessensgruppen - nicht nur den Hochbegabten, sondern allen Kindern gut tun. Schließlich sollen unsere Eleven nach ihrem Abschluss bereichert ins Leben gehen und eine Ahnung davon haben, welche ihrer Stärken sie im späteren Berufsleben einsetzen wollen."

Zumindest Rupert, der Zahlenakrobat aus Salzburg, scheint seinen künftigen Traumjob längst gefunden zu haben: "Als ich noch kleiner war, wollte ich Mathematiker werden. Aber jetzt find ich Formel-1-Fahrer viiiel cooler!" Und ein verschmitztes Lächeln verrät, dass sich in diesem Moment ausnahmsweise keine einzige Ecke seines Superhirns mit Wurzeln oder Potenzen beschäftigt ...

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