NEWS fordert "Gebt unser Geld zurück":
Immer weniger für Durchschnittsverdiener

Die "Kalte Progression" nagt an allen Einkommen Klein- und Mittelverdiener Verlierer der Steuerreform

NEWS fordert "Gebt unser Geld zurück":
Immer weniger für Durchschnittsverdiener © Bild: APA

Praktisch jeder ist von der kalten Progression, die zwar auf dem Lohnzettel für den Laien nicht ersichtlich ist, aber dennoch für gewaltige Einkommenseinbußen sorgt, betroffen. So empfinden 42 Prozent der Österreicher die derzeitige wirtschaftliche Situation als "ungerecht". Vor allem Klein- und Mittelverdiener leiden unter diesen zusätzlichen Steuerverlusten besonders,

„Wir haben jahrelang keine Lohnerhöhungen bekommen, und auch die bisherigen Steuerreformen haben mir gar nichts gebracht." Konrad Pucher ist seit 20 Jahren Rauchfangkehrer. In den Jahren 2002 bis 2005 blieb sein Lohn immer gleich: monatlich 1.521 Euro brutto. Erst 2006 gab es eine Erhöhung auf 1.547 Euro, im Jahr 2007 kamen durch Kollektivvertragsverhandlungen noch einmal 146 Euro monatlich dazu.
Dennoch ist die finanzielle Situation des 39-Jährigen angespannt: "Am Lohnzettel steht zwar jetzt etwas mehr Gehalt als noch vor ein paar Jahren. Das Geld wird aber trotzdem immer knapper. Denn alles wird teurer: Lebensmittel, Benzin, Heizen." Und durch die sogenannte "kalte Progression" hat Pucher nochmals verloren: Seit 2003 musste er 1.035 Euro mehr an Lohnsteuer zahlen, weil die Einkommensgrenzen nicht an die Inflation angepasst wurden und er dadurch in eine höhere Tarifstufe aufgerückt ist.

Fast ein Monatsgehalt Verlust
Ganze 386 Euro jährlich mehr an Lohnsteuer als noch vor fünf Jahren zahlt auch Erich Bierbaum. Seit 2003 entgingen ihm dadurch 1.930 Euro - fast ein ganzes Monatsgehalt also. Von der "größten Steuerreform aller Zeiten", wie die schwarz-blaue Regierung ihre Steuerreform nannte, bleibe bei ihm nicht viel übrig, erzählt der 52-Jährige. Seit mehr als 34 Jahren übt der Maurer seinen Beruf aus. Sein Gehalt wurde zwar immer wieder leicht erhöht (von 2.080 Euro brutto im Jahr 2003 auf 2.240 Euro im vergangenen Jahr). Netto blieben ihm allerdings nicht einmal 100 Euro monatlich mehr. "Ich verdiene seit Jahren zirka gleich viel, das wird sich irgendwann nicht mehr ausgehen, da alles dauernd teurer wird", so Bierbaum.

Ärgerlich finde er auch, dass die Gehälter der Manager viel stärker steigen als die der Arbeiter. Während die Gehälter der österreichischen Vorstände in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt gleich um 95 Prozent gestiegen sind, bekam der durchschnittliche Arbeitnehmer im selben Zeitraum gerade einmal um 12 Prozent mehr. Bei einer Inflation von 7,5 Prozent in diesem Zeitraum bleibt kaum etwas übrig. Bierbaums Vorschlag: "Hier muss auf alle Fälle eine Gehaltsobergrenze eingeführt werden. Es gibt niemanden, der so viel leisten kann, dass diese Gehälter gerechtfertigt wären."

Steuerreform 2010 Ob der Bevölkerung vielleicht ab 2010 schon mehr von ihrem Gehalt übrig bleiben wird, sei dahingestellt. Die rot-schwarze Koalition plant jedenfalls eine neue Steuerreform. Doch wer soll dabei entlastet werden, wer von Steuererleichterungen profitieren? Hier sind ÖVP und SPÖ wie so oft noch sehr unterschiedlicher Meinung. Die ÖVP fordert eine Entlastung der Spitzenverdiener. Der Spitzensteuersatz liegt derzeit bei 50 Prozent. Und auch hier, bei den Top-Verdienern, schlägt die kalte Progression zu. Denn während im Jahr 1989, als der Spitzensteuersatz von 62 auf 50 Prozent gesenkt wurde, 50.000 Menschen in die Höchststeuerklasse fielen, müssen mittlerweile bereits 450.000 Österreicher die Hälfte ihres Gehalts an den Finanzminister abliefern, das heißt, sie arbeiten die Hälfte des Jahres ausschließlich für die Staatskasse

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