Erklärungsversuch von

Warum erregt uns der Nobelpreis so?

Wolfgang Kralicek über Bob Dylans Auszeichnung

Erklärungsversuch - Warum erregt uns der Nobelpreis so? © Bild: NEWS

Wenn der Gewinner oder die Gewinnerin des Literaturnobelpreises bekannt gegeben wird, gibt es traditionellerweise zwei Reaktionen. Erstens: „Wer soll das bitte sein?“ Zweitens: „Warum nicht Philip Roth?“ Diesmal hat die schwedische Akademie einen allseits bekannten Künstler gekürt – und wieder ist es nicht recht. Erbittert wird diskutiert, inwiefern „Lyrics“ überhaupt Lyrik und damit Literatur darstellen. Eines ist auffällig: Derartige Debatten gibt es nur beim Literaturnobelpreis. Die Preisträger in den Kategorien Chemie, Physik und Medizin hingegen werden weitgehend kritiklos zur Kenntnis genommen – obwohl deren Arbeit uns doch eigentlich viel existenzieller betrifft. Die Erklärung liegt auf der Hand: Die meisten von uns haben von Chemie und Physik schon in der Schule nichts verstanden, auch Mediziner sind eine Minderheit. Das eine oder andere Buch aber haben wir fast alle schon einmal gelesen, und – wie man jetzt dazusagen muss – natürlich haben wir auch ein paar Platten im Haus. Da kennen wir uns also aus, da kann uns keiner was erzählen. Schön, dass sich so viele Menschen über Literatur ereifern können. Aber nicht jeder, der lesen und schreiben kann, ist deshalb schon Literaturexperte. Abgesehen davon könnten sie jetzt wirklich einmal Philip Roth den Preis geben.

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