NEWS über den BAWAG-Prozess inside: Jetzt läuft jeder um sein eigenes Leiberl!

Elsner: überraschend geschickt, exzellent vorbereitet Schuldbekenntisse der Angeklagten nicht erwartet

Schon vor Beginn des Bawag-Prozesses gab es mehrere Meetings von beteiligten Anwälten. Das heikle Thema: die Strategie, mit der sie ihre Klienten vor Gericht vertreten wollten. Die Metapher lautete: "Wir sitzen alle in einem Boot. Da ist es entscheidend, dass wir auch gemeinsam rudern."

Sehr viel ist davon in den ersten sechs Prozesstagen freilich nicht mehr übrig geblieben. Die Angeklagten haben heute nur noch gemeinsam, dass sie sich alle "nicht schuldig" bekannt haben. Das war's aber auch schon in Sachen Banker-Solidarität. Denn jetzt rudert jeder ausschließlich für sich allein.

Elsner als Steuermann. Den Steuermann im außer Takt geratenen Ruderboot muss der rekonvaleszente Ex-Bawag-Boss Helmut Elsner geben. Und er verhält sich dabei überraschend geschickt, ist exzellent vorbereitet und nahezu höflich. Seine Grundsatzstrategie lautet: Investment-Banker Wolfgang Flöttl habe ihn angelogen. Und im Übrigen sei er nach seinem Ausscheiden als Bawag-Boss nicht mehr zuständig gewesen.

Wolfgang Flöttl hält konsequent dagegen: Im Gegensatz zu Elsner, der sich krankheitsbedingt lange Zeit dem Zugriff der heimischen Justiz in Frankreich entzog, hat Flöttl eng mit der Justiz kooperiert. Flöttls Linie lautet: Jeder - und somit auch Elsner - habe gewusst, dass die Spekulationsgeschäfte hochriskant sind und mit einem Totalverlust enden können. Somit gelte: Pech gehabt, war eben ein schlechtes Geschäft.

Klar ist: Von keinem Angeklagten wurde erwartet, dass er sich in irgendeinem Punkt schuldig bekennt. Denn: Sogar eine bedingte Strafe führt zu Kostenersatzpflicht. Und die Gerichtskosten werden mehrere Millionen Euro betragen. Somit gilt: Wer verurteilt wird - und sei die Strafe noch so gering -, wird Haus und Hof verlieren. Denn auch die Rechtsschutzversicherungen werden dann zusätzlich noch die enormen Anwaltskosten zurückfordern.
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