news.at-Kommentar: Türkei als 'Schlawiner'
in der Tradition von Deutschland und Italien

news.at-Kommentar: Türkei als 'Schlawiner'
in der Tradition von Deutschland und Italien
© Bild: APA/Schneider

Die türkische Auswahl spielt bei der EURO 2008 nach den glücklichen Siegen über die Schweiz, Tschechien und Kroatien die Rolle des Fußball-"Schlawiners", sprich ist das von der Glücksgöttin Fortuna geküsste Team und steht damit in einer langen Tradition von Mannschaften, die mit mehr Dusel als Können die Hürden einer Fußball-Endrunde überstanden haben.

Als jüngstes Beispiel einer "Schlawiner"-Truppe ist Griechenland zu nennen, das es beim EM-Titelgewinn 2004 geschafft hat, mit minimalsten spielerischen Künsten Hochkaräter wie Frankreich, Tschechien und schließlich Portugal (jeweils 1:0) auszuschalten. Und nicht selten waren Pfosten, Latte oder die entscheidenden Zentimeter auf Seiten der Hellenen.

Bei der WM 2002 kämpfte sich Deutschland ebenfalls mit drei spielerisch armseligen 1:0-Siegen ins Endspiel, wo - der Fußballästhet in mir bedankt sich dafür beim Fußball-Gott - Brasilien das bessere Ende für sich hatte. Dabei kommt verschärft hinzu, dass die Gegner Leichtgewichte wie Paraguay, die USA oder Südkorea hießen. Manche werden sich vielleicht noch daran erinnern, dass gegen ersteres Team der Treffer gar erst in der Nachspielzeit fiel.

Ein Dank an Frankreich
Die EM 2000 brachte völlig unverdient Italien ins Endspiel, das im Semifinale gegen den Gastgeber und das spielerisch überragende Team der Endrunde, die Niederlande, im Elfmeterschießen gewann. Dabei verschossen die "Oranje" in der regulären Spielzeit zwei (!) Elfmeter und vergaben zahlreiche Hochkaräter. Und auch hier sei ein Stoßgebet gen Himmel gerichtet, dass Frankreich den Titel geholt hat.

Tschechien kegelte bei der EM 1996 Portugal und Frankreich unverdient aus dem Rennen und musste sich schließlich Deutschland geschlagen geben, dass sich wiederum gegen hoch überlegene Engländer im Elfmeterschießen durchgesetzt hatte.

Maradona als "Schlawiner"
Bei der WM 1990 Italien "schlawinerte" sich Argentinien mit einem gealterten Maradona ins Endspiel, und zwar mit einem 1:0 gegen zaubernde Brasiliener (100prozentige Chancenauswertung) und zwei gewonnenen Elfmeterschießen gegen überlegene Jugoslawen und Italiener. Kein Wunder, dass die gesamte Fußball-Welt den schließlich siegreichen Deutschen die Daumen drückte.

Vier Jahre zuvor waren die Rollen noch vertauscht: Argentinien mit einem überragenden Maradona stand völlig verdient im Endspiel. Deutschland hingegen gewann mit Müh' und Not 1:0 gegen Marokko (!), war gegen Mexiko einmal mehr im Elfmeterschießen erfolgreich, um dann die von Michel Platini angeführte französische Auswahl aufgrund eines Torwartfehlers auszuschalten. Das 3:2 und der Titelgewinn Argentiniens rückten das Fußball-Weltbild aber wieder zurecht.

Happy End für die "Schlawiner"?
Wie weit es die Türkei wohl schaffen wird? Bisher hatten "Schlawiner" selten ein Happy End. Hoffen wir, dass es so bleibt.
(Kim Son Hoang)

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