NEWS.AT EURO-Tagebuch von

Langsam in Richtung Westen

Das Zentrum der Ukraine ist Kiew. Davon ist Donezk zum Glück noch weit entfernt.

NEWS.AT EURO-Tagebuch - Langsam in Richtung Westen © Bild: NEWS.AT/Patrick Fischer

Der Westen hält im Osten der Ukraine nur langsam Einzug. Das merkt man vor allem an zwei Dingen: Die Flüge hierher sind teuer und die Dekadenz hält sich noch in Grenzen. Donezk ist eine ganz normale Großstadt. Nicht mehr, nicht weniger. Das internationale Zentrum ist Kiew - und das ist geographisch wie ideologisch weit weg. Denn im Osten spricht man Russisch statt Ukrainisch. Auf dem Foto sehen Sie übrigens den Eingang zum Hotel "Liverpool" - man kann es auch übertreiben.

McDonalds gibt's natürlich, aber den ansonsten unvermeidlichen Starbucks habe ich bisher noch nicht entdeckt - übrigens kann man auch ohne die US-Kaffee-Diktatur einen anständigen Espresso trinken, falls jemand das schon vergessen haben sollte. Auch habe ich keinen der bei uns allgegenwärtigen Textildiskonter entdeckt, bei denen sich Europa seine Uniformen kauft. Donezk ist, wie es ist. Vielleicht ein bisschen schöner als vorher, damit die EURO-Reisenden einen guten Eindruck bekommen, aber touristisch ist diese Stadt nicht einmal ansatzweise.

Vermutlich gibt es Führungen zu Bergwerken oder organisierte Ausflüge ans Asow'sche Meer und dergleichen. Aber wenn man durch die Stadt spaziert, kann man zwar den Genossen Lenin grüßen, der über den gleichnamigen Platz im Zentrum wacht, Touristeninformation oder gar pseudofolkloristisch getarnte Konzertkartenverkäufer bleiben einem aber erspart. Ich möchte fast sagen: zum Glück.

Die Ähnlichkeiten
Es gibt aber auch Einschätzungen, die vermutlich auf der ganzen Welt sehr ähnlich sind. "Die Ukraine ist ein schönes Land, aber die Politiker alle Gangster", so die Analyse eines Taxifahrers. Aber machen Sie doch mal in Österreich eine Umfrage. Ich glaube, die Antworten könnten sich momentan sehr ähneln.

Und doch gibt es respektierte Politiker. Die Aufregung soll nämlich groß gewesen sein, als die Schuhe Lenins am nach ihm benannten Platz im Zentrum vor nicht allzulanger Zeit eines Morgens rosa lackiert waren. Die Folge war die sofortige Neulackierung der Statue offenbar noch am gleichen Tag, wie man mir erzählt hat. Ein unerhörter Temporekord. Zu Lenins Zeiten hätte es wohl beides nicht gegeben. Weder den Lack, noch das Tempo.