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Wie Europa die Araber täuschte

Gestern und heute: Peter Pelinka über die Geburt des neuen Syrien

Peter Pelinka © Bild: NEWS

Der Film ist nach einer 2008 vom AFI (American Film Institute) erstellten Liste eines der zehn größten Leinwandepen aller Zeiten: „Lawrence von Arabien“, 1962 von Sam Spiegel mit dem Regisseur David Lean produziert. Er erhielt 1963 sieben Oscars, unter anderem als bester Film des Jahres. Hauptdarsteller Peter O’Toole († 2013) und Nebendarsteller Omar Sharif († im Juli 2015) wurden mit einem Schlag Weltstars. In mehr als dreieinhalb Stunden wurde der autobiografische Kriegsbericht von Thomas Edward Lawrence verfilmt, einem britischen Offizier, der im Ersten Weltkrieg den Kampf der Araber gegen das türkische Osmanische Reich (im Weltkrieg auf der Seite der Mittelmächte Deutsches Reich und Österreich-Ungarn und somit Gegner der Briten) unterstützte. 1918 quittierte er frustriert den Militärdienst, denn die Briten versagten nach der Niederlage des Osmanischen Reichs den Arabern die versprochene Gründung eines unabhängigen Staats. Syrien geriet 1920 unter französische Herrschaft, die Briten gründeten 1921 aus drei osmanischen Provinzen den Irak.

Grundlage für diese britisch-französische Täuschung der Araber war ein Geheimabkommen, das 1916 von den Diplomaten François Georges-Picot und Mark Sykes ausgehandelt worden war. Dieser Sykes-Picot-Plan spielt heute auch in der Propaganda des Islamischen Staates (IS) eine Rolle: als Beispiel für die Verlogenheit der „Kreuzzügler“ und als zusätzliche Legitimation für den ISTerror – neben dem pseudoreligiösen Wahn der Kopf-ab-Terroristen.

Syrien und der Irak drohen derzeit zu zerfallen, der IS beherrscht heute weite Teile der beiden Staaten. Insbesondere in Syrien ist die Lage prekär, die Armee des seit 2000 zunehmend blutig regierenden Diktators Baschar al-Assad (Vater Hafiz herrschte von 1970 bis 2000) kontrolliert nur mehr ein Drittel des Landes. Eine Eroberung der Metropole Damaskus durch den IS oder die kaum harmlosere Al-Nusra-Front (Teil von Al Kaida) würde wohl Massaker an allen „Ungläubigen“ nach sich ziehen, insbesondere an Christen und Alawiten – und weitere Millionen in die Nachbarstaaten und nach Europa treiben.

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