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Wie kommt der Ikea-Katalog zum Bobo?

Ein Erklärungsversuch von Wolfgang Kralicek

Wolfgang Kralicek © Bild: NEWS

Voriges Wochenende hingen im siebenten Bezirk – und wahrscheinlich auch in anderen Wiener Wohngegenden mit hohem „Bobo“-Anteil – nicht nur die üblichen Zeitungstaschen für „Standard“, „Kurier“ und Co. herum, sondern auch solche, die mit dem aktuellen Ikea-Katalog befüllt waren. Dieses für viele Menschen unentbehrliche Nachschlagewerk wird traditionellerweise gratis an die Tür jedes Haushalts gehängt, und an diesem Vertriebsweg hat sich im Prinzip nichts geändert. Das Problem ist nur, dass das schwedische Möbelhaus damit ausgerechnet eine seiner wichtigsten Zielgruppen nicht mehr erreicht – eben die „Bobos“, also Menschen, für die Hedonismus und Konsumkritik kein Widerspruch sind. Sie shoppen, was der Überziehungsrahmen hergibt, verbitten sich aber die Zustellung von Gratispostwurfsendungen. In den Bobo-Bezirken ist der Aufkleber „Reklame verboten“ an Wohnungstüren längst häufiger zu sehen als ein Namensschild.

Für Ikea ist das ein Problem. Für den Bobo aber auch: Sooo rigoros war das Postwurfverbot auch wieder nicht gemeint; den Ikea-Katalog braucht er natürlich schon (und eigentlich auch den Hofer-Prospekt, weil die haben dort zum Beispiel einen erstaunlich guten Champagner). Was für ein Drama! Kunde und Katalog begehren einander heiß und innig, doch sie können zueinander nicht finden. Was tun? Man versuchte es mit Ikea-Stickern für die Tür, aber das hat sich nicht durchgesetzt; ein Pickerl für etwas, das man nur einmal im Jahr braucht, erschien den meisten wohl übertrieben. Die Katalogständer werden anscheinend besser angenommen. Die Frage ist jetzt nur noch, wie Hofer das Problem lösen wird.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: kralicek.wolfgang@news.at

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