Leben von

Ganz der Alte

Warum der neue Mazda MX-5 viele Konkurrenten von heute alt aussehen lässt

Axel Meister © Bild: News

Der neue Mazda MX-5 vermittelt Fahrspaß im Stile englischer Roadster von gestern. Und lässt viele Konkurrenten von heute alt aussehen.

Eigentlich konnte Mazda beim neuen MX-5 gar nichts falsch machen. Außer die Mazda-Ingenieure hätten den in seiner Heimat Miata genannten Roadster seiner DNA beraubt. Um es vorwegzunehmen: Haben sie nicht. Denn liebevoller wurde seit Erfindung des Stoffverdecks noch kein Cabrio verhätschelt. Die Liebesbekundungen umschmeicheln den kleinen offenen Japaner bereits seit 1989 – da feierte er in Europa sein Debüt – und dauern schon über drei Generationen an.

Auch in seiner vierten Auflage ist der MX-5 ein knackiger Roadster, nicht ganz vier Meter lang und gerade eine Tonne leicht, der aber gar nicht retro daherkommt. Weil seine Front dank spitzer LED-Scheinwerfer scharf gezeichnet und sein Heck keck ausgefallen ist. Und auch an der bewährten fahrdynamischen Gleichung – Motor vorne, Antrieb hinten – wurde nicht herumgedoktert.

Aber reicht das für Glanz und Gloria für einen ganzen Modellzyklus aus? Und vermittelt der Neue noch so viel Fahrspaß wie damals? Am Startknopf gedrückt, und schon springt der von uns gewählte 1,5-Liter-Motor, 131 PS kräftig, mit dezentem Röcheln an. Keine große Oper, aber ein ernst zu nehmender Sound.

Beim ersten Tritt aufs Gaspedal sprintet der MX-5 ambitioniert los, scheint im mittleren Drehzahlbereich ein wenig die Lust zu verlieren, um aber gleich darauf noch ein Schäuferl Dynamik nachzulegen. Da stehen dann 7.000 Touren am Drehzahlmesser an und es ist Zeit, in den zweiten Gang zu schalten. Übrigens ein besonderes Vergnügen durch alle sechs Fahrstufen, denn der Schaltstock ist kurz, die Schaltwege noch kürzer.

Auch das größte Talent des alten MX-5 ist beim neuen nicht verkümmert: das Kurvenräubern. Er fegt mit einer Leichtigkeit durch Biegungen aller Art und streckt den Po so lange frech raus, bis das ESP „Halt“ sagt. Also völlig harmlos, zumal man ohnedies gleich zurückschalten und Gas geben muss, um überhaupt den Kurvenausgang elegant zu nehmen, was übrigens der kleinen Drehmomentschwäche geschuldet ist.

In der City mutiert der offene Mazda zum Gokart, wedelt gekonnt durch Kolonnen und wirkt noch kleiner, als er ist. An roter Ampel verkommt selbst ein daneben stehender Fiat Cinquecento plötzlich zum Riesen.

Apropos: Auch im Innenraum zwickt der MX-5 ein wenig unter den Achseln. Bei geschlossenem Dach stoßen Fahrer über 1,80 Meter mit dem Kopf an selbiges. Ein Grund mehr, so oft es passt, offen zu fahren. Denn das Verdeck reißt man hier händisch schneller auf, als es anderswo jedwede verzwackte Technik schaffen würde.

DATEN

Mazda MX-5 G 131 Revolution
Preis: € 30.790,–
Motor: 4 Zylinder, Benzin-Sauger, 1.496 ccm
Leistung: 131 PS (96 kW)
Spitze: 204 km/h
0–100: 8,3 Sek.
Verbrauch: 6,9 l/100 km
Emission: 139 g CO2/km
Fazit: Er ist die Antithese zu den technikverseuchten SUVs – und vermittelt Sportwagenklassik nicht nur für flotte Sonntage

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