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Warum schließen Geschäfte heimlich?

Wolfgang Kralicek über kreative Ausflüchte gescheiterter Geschäftsleute

Wolfgang Kralicek © Bild: NEWS

Wenn Geschäftsleute oder Gastronomen scheitern, versuchen sie das meist dezent zu umschreiben. An der Tür oder auf der Auslage ihres für immer geschlossenen Restaurants oder Ladens steht nicht „Leider in Konkurs gegangen“ oder „Die Lebensmittelpolizei war zum Glück vor Ihnen da“, sondern „Wegen Renovierung geschlossen“ oder „Wir sind auf Urlaub“. Jeder ernsthafte Geschäftsmann, der tatsächlich nur vorübergehend zusperrt, würde selbstverständlich bekannt geben, wann die Kundschaft wieder mit offenen Türen rechnen kann. Der Trick ist also sehr leicht zu durchschauen. Warum wird er dann trotzdem immer wieder angewandt? Drei Erklärungsversuche bieten sich an.

Der erste ist banal, aber wahrscheinlich gerade deshalb oft zutreffend: Es gibt Menschen, die einfach nicht verlieren können. Der zweite Erklärungsversuch lappt ins Kriminalistische: Wer seine Pleite vertuscht, will dadurch möglicherweise Zeit gewinnen. Wenn die Gläubiger dahinterkommen, ist er schon in einem Land ohne Auslieferungsverfahren. Wo er dann natürlich gleich wieder ein Geschäft aufmacht. Der schönste Erklärungsversuch ist ein romantischer: Für leidenschaftliche Geschäftsleute ist ihr Projekt eine Beziehungskiste. In der ersten Euphorie glauben sie an die ewige Liebe. Und wenn es aus ist, wollen sie es einfach nicht wahrhaben.

Positive Gegenbeispiele sind selten, aber es gibt sie. An der Tür eines leeren Geschäftslokals in der Wiener Kaiserstraße war vor ein paar Jahren eine entwaffnend ehrliche Botschaft zu lesen: „Wegen mangelnden Kundeninteresses geschlossen“.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: kralicek.wolfgang@news.at

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