NEWS: 200 Meter in den Himmel Wiens - Star-Architekt baut jetzt auf der Donauplatte...

Dominique Perrault entwarf spacige Zwillingstürme 2010 soll das 'Doppelwunder' fertiggestellt sein

NEWS: 200 Meter in den Himmel Wiens - Star-Architekt baut jetzt auf der Donauplatte...

Jenseits der Donau wenigstens hat Wien das Zeug zur Weltstadt der zeitgenössischen Architektur. Während hüben die Innenstadt unter dem Glassturz des Weltkulturerbes modert, soll drüben in der Donaucity Höhe Reichsbrücke ein neues Wahrzeichen an den Himmel kratzen. Unter der Federführung des französischen Stararchitekten Dominique Perrault entstehen Zwillingstürme mit filigran-kristalliner Fassade....

200 Meter soll der höhere der beiden messen und das höchste Gebäude Wiens werden, immerhin noch 160 Meter der zweite. 2010 soll das Doppelwunder stehen. Sein Turm werde mehr erneuern als nur die Skyline, hofft Perrault im NEWS-Gespräch. "Klar würde es die Stadt definitiv verändern, wenn wir ein solches Gebäude neben den Stephansdom stellen könnten. Aber auch hier an der Donau ist ein einmaliger Platz, solches zu bauen. Es ist in Ordnung, den historischen Stadtkern zu beschützen, wenn man gleichzeitig den Mut hat, einen anderen Teil der Stadt weiterzuentwickeln. Die Stadt wird modern werden. Nicht provinziell sein, sondern die Weltmetropole, die sie gern sein möchte."

Ein neues Tor zur Stadt.
Bauträger WED legte Wert auf genaue Vorgaben für das um das österreichische Büro Ernst Hoffmann erweiterte Architektenteam, erklärt Vorstand Thomas Jakoubek. "Das war keine leichte Geburt. Es gab 130, 140 Versuche, ein gutes Projekt auf den Tisch zu legen. Wir wollten Türme, die architektonisch nicht zu spektakulär werden, schlicht, aber ansprechend über einen längeren Zeitraum. Die ersten Entwürfe waren zu zeitgemäß. Wir wollten keine Juxarchitektur."

Zwillingstürme erinnern an Edelstein
Solcherart gebrieft, vergleicht Perrault die Zwillingstürme mit einem auseinander geschnittenen Kristall oder Edelstein. "Die Fassade an den Schnittflächen bekommt eine sehr spezielle Oberfläche, während an den anderen Seiten alles sehr flach und normal sein wird." Und da Perrault "nicht wie ein altmodischer Architekt eine Idee niederzeichnet", sondern einen "konzeptuellen Zugang" hat, "bei dem alles einbezogen ist: Musik, Literatur, zeitgenössische Kunst, Politik, Ökonomie", will auch das Umfeld mitgedacht sein. Öffentliche Plätze sollen Leben in diesen Winkel zwischen Donau und Reichsbrücke bringen.

Jung in die erste Liga.
Erfahrung mit Großprojekten hat Perrault früh erworben. Er war 36, als er den Wettbewerb für Mitterrands Prestigeprojekt, die französische Nationalbibliothek, gewann. Schlagartig hatte er sich damit in der Höchstliga der internationalen Architektur positioniert. Eines seiner stilistischen Markenzeichen ist die Integration von Natur in seine Projekte. "Allerdings ist für mich die Natur künstlich - kein Berg oder Ozean. Wir kontrollieren sie wie Beton, Glas oder Metall."

Perrault's wichtigste Projekte
Zu seinen wichtigsten internationalen Projekten zählen die Olympische Rad- und Schwimmsporthalle in Berlin und die Erweiterungsbauten des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg und des Mariinsky-Theaters in St. Petersburg. In Westösterreich schätzt man Perrault wegen seines Neubaus des Innsbrucker Rathauses und wegen seiner Entwürfe für Supermärkte des in Architekturkreisen renommierten Familienunternehmens M-Preis. In seiner Heimat baut er wenig: "Paris schläft im Moment." Perraults gestalterische Philosophie wird ab 6. Juli in einer Personale im Architekturzentrum Wien (MuseumsQuartier) gezeigt. Im Modell kann Wien dort schon sehen, wie es zur Weltmetropole aufgerüstet werden soll.
(Aus NEWS 26/2006)