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Bärendienst des Sachverständigen

Markus R. Leeb über die Telekom-Causa "Schillerplatz“

Markus R. Leeb Porträt © Bild: News

Den Wert des Hauses oder der Wohnung, die man bewohnt, ist für die meisten von uns nachvollziehbar. So geht man naiv davon aus, dass auch Zinshäuser einen nachvollziehbaren Preis haben, der sich in gewisser Bandbreite bewegt.

Durch den aktuellen Telekom-Prozess, in der es um den Verkauf des Wiener City-Objektes "Schillerplatz“ durch die Telekom geht, wird man eines Besseren belehrt. Denn derselbe Gutachter kommt einmal auf einen Wert von knapp zehn Millionen Euro, dann auf nur 5,5 Millionen Euro.

Der Unterschied ist nicht ein ausgeführter Ausbau, sondern offenbar die "Projektphantasie“. Und dass einmal die Anklagebehörde, die ihre Anklage darauf gebaut hatte, der Auftraggeber war. Von der Richterin beauftragt, den bestehenden Bau zu bewerten, lag das Ergebnis bei gut der Hälfte.

Für den simplen Hausverstand ist die Optik schief. Jüngste Skandale haben gezeigt, dass man Bilanzen "darstellen“ kann und das es offenbar Spielraum dabei gibt. Für Bewertungen und Gutachten scheint dies ganz besonders zu gelten. Dürfen sich dann aber Anklagen - oft geht es um bis zu zehn Jahre Haft - noch auf solche Gutachten stützen? Und wieso darf ein Gutachter eine sechsstellige Summen für so ein Werk kassieren, dass bei Freispruch der Steuerzahler berappen muss.

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