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Überlebenskunst als Hausprinzip

Heinz Sichrovsky über "Turandot“ und anderes an der Volksoper

NEWS Kommentar - Überlebenskunst als Hausprinzip © Bild: NEWS/Herrgott Ricardo

Das Burgtheater und die in vergleichbarer budgetärer Bedrängnis befindliche Staatsoper beziehen hohe staatliche Zuwendung. Nach 13 Jahren ohne Teuerungsabgeltung sind sie dennoch zusehends außerstande, ihren gesetzlich definierten Verpflichtungen nachzukommen. Das dritte Bundestheater, die Volksoper, wurde schon anno 1999 um alle Chancen gebracht. Da galt es die vormals beim Bundestheaterverband konzentrierte Subvention auf drei ausgegliederte Unternehmen zu verteilen: Zwei schlaue Direktoren zogen einen unschlauen Amtsbruder grausam über den Tisch. Dessen Nachnachfolger Robert Meyer ist also nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Überlebenskünstler zu verehren. So rückte die Volksoper in diesen Tagen die augenfreundliche, aber alberne Inszenierung von Puccinis "Turandot“ wieder in den Spielplan. Alle handelnden Personen sind dort Insekten, nur Calaf erinnert an einen Ungarischen Hirtenhund mit Fellräude. Was aber tut das, wenn der große Neil Shicoff das Haus für ein fabulöses Rollendebüt nützt und sich in bester Gesellschaft befindet? Turandot (Ye-Hye Han), Timur (Yashushi Hirano) und die Minister leisten Imposantes, Kristiane Kaiser als Liu und das Orchester unter Guido Mancusi noch mehr. An der Staatsoper, wo man das Werk aktuell nicht sehen kann, ginge es nicht besser.

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