NEWS Gastkommentar von

Es gibt nur mehr 3 Wörter für, weinen‘

Christine Nöstlinger die NEWS-Aktion zur Rettung des Österreichischen

Christine Nöstlinger © Bild: APA/Roland Schlager

Christine Nöstlinger, ingeniöse Jugendbuchautorin, über die NEWS-Aktion zur Rettung des Österreichischen: Seien wir aufmerksam, aber verzagen wir nicht.

Sprache entsteht durch den Gebrauch, und die Erwachsenen sind die Vorbilder. Wenn aber immer mehr Zeit für die elektronischen Medien aufgeht, wird die Sprache ärmer und ärmer. Von diesen Medien, denen es nur um Bilder geht, kommt die größte Gefahr für das Österreichische. Wenn man ein SMS schickt, ist der restringierte Code vorgegeben. Man beginnt ein Wort, und das Mobiltelefon schreibt es fertig. Das hat mit Sprache nichts zu tun.

Eine Sprache, so saftig und kräftig wie das Wienerische, wird sich schon irgendwie erhalten. Sie wird sich verändern, so wie sie sich immer verändert hat. Aber sie verarmt auch wie noch nie, und dass NEWS Schutzmaßnahmen ergreift, ist gut und wichtig. Ich habe einmal alle Ausdrücke für "weinen“ zusammengezählt, die ich in meiner Jugend kannte. Ich kam auf 19: "zauna, "trenzn“, "plärrn“, "reehrn“ ... heute kennt ein junger Mensch drei bis vier. Diese Spracharmut der jungen Generation bedrückt mich, und es gibt nur eine Möglichkeit, ihr zu begegnen: mit den Kindern reden. Österreichisch reden.

Und österreichisch schreiben, was für junge Autoren schwierig wird. Ich selbst zähle zu den Privilegierten, deren Bücher sich seit 50 Jahren gut verkaufen und die Bedingungen stellen können. Wenn ich "Topfengolatsche“ schreiben möchte und die Lektorin auf "Quarkstückchen“ besteht, einigen wir uns friedlich auf einen Apfelstrudel.

Seien wir also aufmerksam, aber verzagen wir nicht. In meinen Kreisen geht man noch zum Nachtmahl und nicht zum Abendessen. Ausgenommen die Jugendlichen aus meiner Gegend, dem 20. Bezirk: Die gehen weder nachtmahlen noch abendessen. Die kaufen sich einen Döner.

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