NEWS Gastkommentar von

Tyrann mit Minderwertigkeitskomplex

Wladimir Kaminer über den russischen Einmarsch in die Ukraine und Kreml-Chef Putin

Wladimir Kaminer © Bild: 2013 Getty Images/Hannelore Foerster

Wladimir Kaminer, gebürtiger Russe und deutscher Bestseller-Autor ("Russendisko“) über den russischen Einmarsch in die Ukraine und Kreml-Chef Putin.

Ich schäme mich für meine Heimat, die, unverantwortlich ihrem so genannten Präsidenten folgend, die Welt an den Rand des Krieges bringt. Nein, nicht alle Russen jubeln dem russischen Einmarsch in die Ukraine zu, auch die Menschen auf der Krim wollen sicher nicht von einer bewaffneten Einheit regiert werden. Man findet kaum zwei Völker, die einander näher stehen als Russen und Ukrainer.

Jedes Mal, wenn ich nach Russland fahre, frage ich meine Freunde: "Wie könnt ihr so leben? Jede freie Meinungsäußerung, jede Art Freiheit wird hier unterdrückt. Seht ihr nicht, wie die Menschen hier über die Straßen schlurfen? Sie schauen sich alle fünfzig Meter um, ob sie jemand verfolgt.“ - "Ja, das sehen wir, wir sind nicht blöd. Aber die Menschen hier brauchen keine Freiheit, sie brauchen günstige Kredite und bezahlbare Wohnungen, das bekommen sie von Putin. Alles andere sind westliche Werte, die uns aufgedrängt werden, um schwache Geister zu verwirren. Niemand hier braucht Freiheit, außer Schwulen, Minderjährigen und ein paar Journalisten. Es war hier nie anders und wird nie anders werden.“ Nur so kann dieses Land funktionieren, mit einem Tyrannen und einer korrupten Regierung.

Der aktuelle wurde nicht gewählt, sondern als "Nachfolger“ vor 15 Jahren dem Volk vorgestellt. Ein kleiner, in einer sowjetischen KGB-Schule ausgebildeter Mann ohne Frau und ohne Freunde, von Minderwertigkeitskomplexen geplagt, regiert ein riesengroßes Land. Der Westen strengt sich an, in den Kopf dieses Menschen reinzuschauen, die Russen versuchen es nicht mal. Sie folgen ihm einfach und denken nicht an ein Leben nach Putin, das bald kommen wird. Wenn er eines Tages von einem Leoparden gefressen wird, was tun sie dann?

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