Leben von

Geburtstagsgruß für Friedrich Cerha

Spitzentöne von Heinz Sichrovsky zum 90. Geburtstag des Komponisten

Heinz Sichrovsky © Bild: News

Meist konträr zur politischen Entwicklung war Österreich im 20. Jahrhundert Brennpunkt und Kreativzentrum der künstlerischen, vor allem der musikalischen Avantgarde. Seit der Zweiten Wiener Schule um Schönberg, Berg und Webern wurden von hier aus die radikalen Aufbrüche vollzogen. Nikolaus Harnoncourt, der sich vor Weihnachten von den Podien zurückgezogen hat, entwickelte in den Fünfzigerjahren die Originalklangbewegung und brachte ein Jahrhundert korrumpierter Hörgewohnheiten zur Implosion. Zu etwa derselben Zeit gründete der Komponist Friedrich Cerha, der in diesen Tagen 90 wird, in Wien das Ensemble "die reihe“ und erzwang damit die Fortsetzung des Wegs der Avantgarde. Cerha ist einer der wenigen Meister der Moderne, die mit radikalem Instrumentarium zu Klassikern wurden: Während sich viele seiner großen Kollegen im Grenzbereich zur Romantik bewegen, pflegt er eine kompromisslose musikalische Sprache und konnte in Werken wie "Baal“ (nach Brecht) oder "Der Riese vom Steinfeld“ mit einem Libretto von Peter Turrini doch alle Emotionen großer Opernkunst freisetzen. Und schließlich ist der Lehrer Cerha wesentlich für den Fortbestand seines Lebenswerks zuständig: Aus seiner Schule traten Georg Friedrich Haas und Dirk D’Ase ihren Weg in die internationale Klasse an. Ich gratuliere in Bewunderung zum Geburtstag.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: sichrovsky.heinz@news.at

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