Fakten von

Uwe Barschels "Waterkantgate"

Gestern und heute: Peter Pelinka über den Politskandal

Peter Pelinka © Bild: NEWS

Am Samstag widmet die ARD dem "Fall Uwe Barschel" einen Themenabend. Der Zweiteiler verbindet den realen Politkrimi aus dem Jahr 1987 mit einer fiktiven Story um zwei Enthüllungsjournalisten, die sich mit der offiziellen Lesart um den Tod (die Ermordung?) des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein nicht abfinden. Tatsächlich böte allein die reale Affäre um Intrigen, Lügen und Bespitzelungen auf der obersten Ebene der deutschen Politik genügend Stoff für ein TV-Ereignis wie die geniale dänische Serie "Borgen".

Ausgangspunkt des Geschehens: der erbittert geführte Landtagswahlkampf im nördlichsten deutschen Bundesland, das seit 1950 von der CDU regiert worden war. Zwei aufstrebende, ehrgeizige Spitzenkandidaten standen einander gegenüber: der seit 1982 amtierende 43-jährige Uwe Barschel (er überlebte mitten im Wahlkampf knapp einen Flugzeugabsturz) und sein 48-jähriger sozialdemokratischer Konkurrent Björn Engholm, zweimal Minister in der von Helmut Schmidt geführten Bundesregierung. 1983 war er bei der Landtagswahl an Barschel gescheitert, 1987 sah es für ihn besser aus, es wurde richtig knapp. Barschel engagierte den Journalisten Reiner Pfeiffer vom Springer-Verlag.

Pfeiffer startete eine wüste Kampagne gegen Engholm, erstattete anonym Anzeige wegen Steuerhinterziehung, ließ ihn bespitzeln, gab sich als "Arzt" mit angeblichen Aids-Befunden Engholms aus. Am Montag vor der Wahl am 13. September enttarnte der "Spiegel" die Bespitzelung Engholms und die anonyme Anzeige, nicht aber deren Verursacher. Am Mittwoch gab Pfeiffer vor einem Notar an, Barschel habe alles beauftragt, der "Spiegel" plante eine Titelstory, die noch vor Sonntag bekannt wurde. Bei der Wahl lag die SPD dann hauchdünn vor der CDU.

Barschel dementierte per Ehrenwort, trat aber am 2. Oktober zurück und floh auf die Kanaren. Neun Tage später lag er im Genfer Hotel Beau-Rivage tot in einer Badewanne, mit Medikamenten im Körper; offiziell ein Selbstmord. Bis heute gibt es Gerüchte über Barschels Verbindungen zu Waffengeschäften mit Südafrika oder dem DDR-Geheimdienst.

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