Leben von

"Das habe ich nicht gewollt"

Stilfragen: Ela Angerer über die große Robe

Ela Angerer © Bild: News

Eine gewissenhafte Putzfrau hat vergangene Woche ein Kunstwerk entsorgt. Genauer gesagt hat sie die wirre Installation einer bis dahin völlig unbekannten deutschen Künstlerin in die Mülltonne gestopft. Von so einer Großtat kann Julianne Moore nur träumen. Wie viel wäre ihr erspart geblieben, hätte die Haushälterin die unnötigste all ihrer Galaroben vorab in den Häcksler geschmissen. So aber: das Unglück als Kleid. Ein Entwurf, der so aussieht, als wäre er aus einem alten Hotelvorhang genäht worden. Die wunderschöne Schauspielerin trug ihn in Hollywood, bei den viel beachteten SAG-Awards. Und wie wir auf dem Foto sehen können: Hinter ihrer hohen Stirn lodert der pure Hass. Auf den tödlichen Fummel, auf den Schneider, auf den Stylisten. Man muss sich schon sehr bemühen, damit eine Frau wie Moore plötzlich aussieht wie eine provinzielle Ballbesucherin. Spätestens hier, auf dem roten Teppich, muss sie es erkannt haben. Alles an ihr scheint zu rufen: "Das habe ich nicht gewollt!"

© Patrick Rideaux / Action Press / picturedesk.com

In Wien geht man sehr gern auf Bälle. Die große Robe, die man als Frau dafür benötigt, ist natürlich auch ein Problem. Wie knallig darf der Stoff sein? Wie viel nackter Oberarm geht? Ein gutes Festkleid sollte weder an ein Möbelstück noch an einen Vorhang erinnern. Diese Grundregel stelle ich hiermit auf. Doch während den Fehltritt auf dem Opernball nur die rachsüchtige Freundin und der Lebensgefährte mitbekommen, geistern die Fotos vom Auftritt eines Stars noch in hundert Jahren durchs Netz.

Was sagt uns das? Das Leben ist letztendlich doch nicht völlig planbar. Das Wetter spielt verrückt. Und durch die Verquickung ungünstiger Umstände kann es uns passieren, dass wir auf einmal dastehen wie Julianne Moore.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: angerer.ela@news.at

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