New York von

Schweres Fährunglück

Eine Pendlerfähre kollidierte beim Anlegen mit dem Steg - über 80 Verletzte

  • In New York ist eine Fähre verunglückt, zahlreiche Menschen wurden verletzt.
    Bild 1 von 8 © Bild: REUTERS/Brendan McDermid

    In New York hat eine Pendlerfähre den Anleger gerammt. Zahlreiche Menschen wurden verletzt.

  • In New York ist eine Fähre verunglückt, zahlreiche Menschen wurden verletzt.
    Bild 2 von 8 © Bild: REUTERS/Brendan McDermid

    Die meisten Opfer wurden verletzt als sie durch den Stoß Treppen hinunterstürzten.

Das Fährunglück von New York am Mittwoch mit mehr als 80 Verletzten ist angeblich auf technische Probleme zurückzuführen. Besatzungsmitglieder hätten in ersten Vernehmungen ausgesagt, die Steuerung habe nicht auf Befehle reagiert, meldet der New Yorker Sender CBS am Donnerstag (Ortszeit). Das System sei eingefroren gewesen, hieß es. Am Tag nach dem Unfall sollten der Kapitän und seine Besatzung befragt werden.

Die "Seastreak Wall Street" hatte im morgendlichen Berufsverkehr von New Jersey kommend mit großer Wucht einen Anleger gerammt. Dabei wurde der Steuerbordrumpf des Katamarans fast einen halben Meter aufgerissen, allerdings etwa 40 Zentimeter über der Wasserlinie. Im ruhigen Wasser drohte dem Schiff selbst keine Gefahr. An Bord wurden die mehr als 300 Passagiere umgestoßen oder von den Sitzen gerissen. Die meisten Menschen verletzten sich, als sie die Aufgänge der Fähre herunterstürzten. Etwa zehn Passagiere wurden schwer verletzt.

Fähre hatte schon öfters Probleme

Unterdessen wurde bekannt, dass die mit 38 Knoten (70 Kilometer in der Stunde) operierende Schnellfähre schon mehrfach Probleme hatte. Schon zweimal, in den Jahren 2009 und 2010, soll das 43 Meter lange Schiff Anleger gerammt haben. Dabei sei zwar der Rumpf beschädigt worden, schlimmere Folgen habe es aber nicht gegeben. Allerdings sei das Leck beim ersten Unfall immerhin fast einen Meter groß gewesen. Im vergangenen Jahr sei das Schiff völlig überholt worden und habe einen neuen Antrieb bekommen.

Passagier: "War wie eine Bombe"

Es habe sich wie ein Autounfall angefühlt, sagte ein Passagier dem Fernsehsender ABC. "Niemand wusste, was los war." Die Menschen seien hysterisch gewesen und hätten geschrien, sagte eine Frau. "Wir sind aufeinander gefallen. Ich bin in alle anderen hineingefallen." Die Fähre sei schon ein wenig wackelig an den Kai herangefahren, sagte eine weitere Zeugin. "Dann hat das Dock die rechte Seite des Bootes hart getroffen, wie eine Bombe."

Ein Vertreter der Verkehrssicherheitsbehörde NTSB sagte, man habe sofort mit der Untersuchung des Unfalls begonnen. So sei der Kapitän auf Alkohol und Drogen untersucht worden. "Das ist aber ein Standardprozedere bei allen Unfällen dieser Art. Die Ergebnisse sind noch nicht bekannt." Die Besatzung und einige der Passagiere sollen ab Donnerstag befragt werden. Die Beweisaufnahme werde fünf bis sieben Tage dauern, dann beginne die Auswertung.

Expertenteams untersuchen Vorfall

"Wir haben verschiedene Expertenteams gebildet. Eines untersucht den Betrieb der Fähre, eines die Technik, eines die Arbeitsorganisation an Bord und eines auch das Notfallmanagement nach dem Unfall", sagte der NTSB-Vertreter. Das 40 Meter lange Schiff habe vermutlich keine Blackbox gehabt, weil ein solches Aufzeichnungsgerät für Fähren dieser Art nicht vorgeschrieben sei. "Aber es gibt eine Menge Elektronik an Bord und die speichert viele Daten, vermutlich auch die Geschwindigkeit."

Tausende Menschen benutzen täglich die Fähren, die Manhattan etwa mit den Stadtteilen Staten Island, Brooklyn oder Queens sowie mit dem Bundesstaat New Jersey verbinden. Pendler fahren mit den Booten zur Arbeit, Touristen genießen die Aussicht auf die Skyline von Manhattan.

Immer wieder kommt es im Hafen von New York, wo sich der Atlantik, der East- und der Hudson River treffen, aber auch zu Fährunglücken. So prallte 2003 eine Staten-Island-Fähre mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Anleger. Elf Menschen starben, Dutzende wurden zum Teil schwer verletzt. Bei einem ähnlichen Unglück im Mai 2010 wurden ebenfalls Dutzende Passagiere verletzt.

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