Neurologe Hobson fordert Freud heraus: Traumforschung im Grenzgebiet zur Biologie

Allan Hobson erhält Gastprofessur an Universität Wien Seminar über die Physiologie und Funktion von Schlaf

Neurologe Hobson fordert Freud heraus: Traumforschung im Grenzgebiet zur Biologie © Bild: DPA/Matheis

Schlaf und Traum sind ein Kerngebiet der Freudschen Psychoanalsye. Neuere Forschungen stellen zunehmend die Interpretationsweise dieser Schule in Frage. Mit modernen Mitteln der Neurologie stößt der britische Forscher J. Allen Hobson in das Grenzgebiet zwischen Psychologie und Biologie vor. Schlaffer hat zur Zeit eine Gastprofessur an der Universität Wien.

J. Allen Hobson ist bekannt als jener neurologische Psychiater, der den Traum aus dem Bereich der Freudianischen Interpretation herausgenommen hat und ihn als Werkzeug der neurologischen und psychiatrischen Schlafforschung etablierte. Seine wissenschaftlichen Ansichten und Erkenntnisse haben einerseits zu neuen Richtungen in der Interpretation psychiatrischer Störungen und anderseits zu neuen Methoden der Therapie beigetragen.

Bewusstes Schlafen oder unbewusstes Träumen?
Das Forschungsfeld von J. Allan Hobson befindet sich in einem biologischen Grenzgebiet. Mit seinem Ansatz, sich von molekularbiologischen bis zu psychiatrischen Aspekten des Schlafes zu beschäftigen, revolutionierte er die Schlaf- und Traumforschung. Durch seine Analysen des Phänomens des REM-Schlafes stieß er auf die Bedeutung dieses Gehirnzustands für Träume, Bewusstsein und Kognition.

"Seine Ergebnisse zwangen Psychiater und Psychologen, die Freud'sche Psychoanalyse und sein Entwicklungsmodell der Psyche neu zu interpretieren. Mit modernem neurologischen Werkzeug konnte er die Bausteine des REMs, die Träume und selbst die 'bewusste' und 'unbewusste' Wahrnehmung beschreiben", erklärt John Dittami, Leiter des Departments für Verhaltensbiologie an der Fakultät für Lebenswissenschaften. Er arbeitet schon seit Jahren mit J. Allan Hobson zusammen und hat die Gastprofessur von Hobson an der Universität Wien mitinitiiert: "Durch diese neue Sichtweise unseres Geistes, die einen Blick hinter die Kulissen des Bewusstseins und der Kognition ermöglicht, wurde Hobson einer der bekanntesten Psychiater der letzten Jahrzehnte. Es gelang ihm, Molekularbiologie, Neurologie, Psychiatrie, Philosophie, Kognition und Kunst miteinander zu verbinden."

Gastprofessur in Wien
Der in Harvard lehrende Neurologe, Psychiater und Schlafforscher J. Allan Hobson erhält als erster Wissenschafter mit Sommersemester 2008 die Rupert-Riedl-Gastprofessur an der Universität Wien. In diesem Rahmen wird Hobson ein Seminar zur Physiologie und Funktion von Schlaf und Träumen anbieten.

Die Fakultät für Lebenswissenschaften hat gemeinsam mit dem "Konrad Lorenz Institute for Evolution and Cognition Research" in Altenberg den renommierten Schlafforscher Prof. J. Allan Hobson, M.D. von der Harvard University als Rupert-Riedl-Gastprofessor des Jahres 2008 gewinnen können.