Neujahrskonzert von

Thielemann als
Kapellmeister Deluxe

Neujahrskonzert - Thielemann als
Kapellmeister Deluxe © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Jahrelang wurde spekuliert, gewartet, gehofft. Am Dienstag war es so weit: Christian Thielmann hat sein Debüt beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker bestritten und alle Erwartungen erfüllt.

Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe und vereinte gediegene Traditionspflege mit intellektuellem Esprit. Weltweit wurde mitgefeiert.

Dass Thielmann ein Freund der Philharmoniker ist, weiß man. Ebenso, dass sein Terminplan wenig Spielraum zulässt. "Wir haben lange gewartet auf dieses Neujahrskonzert mit ihm", hatte zuletzt auch Daniel Froschauer, Vorstand des Orchesters, betont. Und dieses legte am Dienstag auch gleich los, als ob man Jahre nachholen wollte. Viel des Elans und der Forte-Freude war aber wohl dem Dirigat zu verdanken, das vom wohldosierten Rums-Effekt geprägt war.

»Wir haben lange gewartet auf dieses Neujahrskonzert mit ihm«
© APA/HERBERT NEUBAUER

Die preußisch-österreichischen Festspiele begannen stilecht mit dem "Freiherr von Schönfeld Marsch" von Carl Michael Ziehrer, bei dem Thielemann seine Visitenkarte als Verfeinerer von Wiener Orchestertradition ablieferte. Traditionell auch die musikalischen Huldigungen diverser Jubiläen: Mit dem Walzer "Transactionen" von Josef Strauß wurden die nun 150 Jahre andauernden diplomatischen Beziehungen Österreichs mit Japan gefeiert.

Rundreise durch die Oper

Zweiter freudiger Anlass des angebrochenen Jahres: Der 150. Geburtstag der Hofoper an der Wiener Ringstraße, aus der schließlich die Staatsoper hervorgehen sollte, welcher auch den Pausenfilm beherrschte. Die Rundreise durch das Haus gab Einblicke in die Probearbeit der Publikums-Lieblinge. Die musikalische Huldigung erfolgte unter anderem durch die Polka francaise "Opern-Soiree" von Eduard Strauß.

Wie jedes Jahr trafen im Programm Bekanntes ("Künstlerleben") auf Exoten ("Die Tänzerin"), Gehaltvolles ("Sphärenklänge") auf Oberflächliches ("Lob der Frauen"). Seine Stärken ausspielen konnte Thielemann vor allem dort, wo das Opernhafte lauert, wie beim Walzer "Nordseebilder" von Johann Strauß Sohn oder dessen Ouvertüre zum "Zigeunerbaron". Märsche und Polkas peitschte Thielemann geschmackvoll, kontrolliert und rasant voran.

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Die bereits im Sommer gedrehten Balletteinlagen stammten vom Jungchoreografen Andrey Kaydanovskiy. Der gebürtige Russe, selbst Tänzer des Wiener Staatsballetts, hat den Csardas aus der komischen Oper "Ritter Pasman" von Johann Strauß Sohn im niederösterreichischen Schloss Grafenegg inszeniert, die Kostüme stammten erstmals vom jungen österreichischen Designer Arthur Arbesser. Der Walzer "Künstlerleben" führte abermals an die Staatsoper.

Kein teutonischer Bierernst

Dass unter Thielemann nicht der teutonische Bierernst regiert, bewies dieser nicht nur durch ironische Gesten und Blicke. Beim "Egyptischen Marsch" von Johann Strauß Sohn ließ er die Philharmoniker von der Leine, die mit Herzenslust mitsangen. Traditionell wiederum der Neujahrsgruß nach dem Ansetzen der wohl berühmtesten Zugabe der Welt, "An der schönen blauen Donau". Auch das Mitklatschen des Publikums beim "Radetzky-Marsch" verlief ungezügelter als zuvor.

Der ORF übertrug mit 14 Kameras die Veranstaltung in über 90 Länder. Auch - vorwiegend politische - Prominenz fehlte diesmal nicht. Ganz zu vorderst Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).