"Austro-Outbreak" von

Neuhauser und Krassnitzer
eröffnen "Tatort"-Saison

Regie-Debüt von Barbara Eder punktet mit Witz im Angesicht des Bedrohungsszenarios

"Austro-Outbreak" - Neuhauser und Krassnitzer
eröffnen "Tatort"-Saison © Bild: ORF/Epo Film/Hubert Mican

Selten steigt das gefühlte Risiko so rasch mit der Abnahme der Distanz zum Ort des Geschehens wie beim Ausbruch ansteckender Krankheiten. Im "Tatort"-Regiedebüt von Barbara Eder (27. August, 20.15 ORF 2) schlägt das Ebolavirus im Herzen Österreichs auf. Das "Outbreak"-Szenario macht einen großen Teil des Reizes des "Tatort"-Saisonauftaktes aus - der Witz rund um die Austro-Ermittler den anderen.

Dabei ist das von Drehbuchautor Rupert Henning entworfene Setting des Krimis mit dem Titel "Virus" alles andere als eine aufgelegte Plattform für Situationskomik: In einem Steinbruch in der malerischen steirischen Gemeinde Pöllau wird die Leiche eines Afrikaners gefunden. Was zuerst wie ein "einfacher" Mordfall erscheint, wendet sich jedoch dramatisch in Richtung "Austro-Outbreak", nachdem klar wird, dass der Tote Träger des Ebolavirus war.

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Geschickt nehmen dabei Eder und Hennig gängige Denkmuster auseinander. So etwa bei der Darstellung einer größeren afrikanischen Flüchtlingsgemeinde in betont ländlicher Umgebung oder wenn dort das Bundesheer den postkartentauglichen Hauptplatz abriegelt. Auch das routinierte Ermittler-Duo Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) wagt sich wieder in die Provinz, wo es dem vielschichtigen Lokalkolorit auf mehreren Ebenen begegnet. Kommen die Hauptstädter zuerst noch dem lokalen Jungpolizisten wortklauberisch, erhalten sie bald darauf vom Dorfwirt eine kleine Lektion in Sachen weltgewandter Toleranz.

Bis zum Knalleffekt Ebola-Diagnose entspinnt sich in der brüchigen Idylle der klassische Krimi-Stoff, denn hinter der Fassade stehen von den Flüchtlingen über ihren Gastgeber (Andreas Kiendl) bis zur Bezirkskaiser-Familie alle unter Druck. Im Angesicht der Bedrohung durch die Krankheit und der Quarantänemaßnahmen stellt Eder dann sehr starke Bilder von Soldaten in Schutzanzügen und Einblicke in den Umgang der Bevölkerung, Behörden sowie der Ermittler damit in den Vordergrund. Und es wäre kein "Tatort", würde es nicht auch für das Ermittler-Duo zunehmend eng in der trügerisch schönen Umgebung.

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Geschickt gebrochen wird dieses Szenario vor allem durch skurrile Charaktere: Da kämpft am Nebenschauplatz Wien Teammitglied Thomas Stipsits auf Geheiß von Sektionschef Rauter (Hubert Kramar) gegen die überschüssigen Kilos, während letzterer erneut darum ringt, vom Ermittler-Duo ernstgenommen zu werden. Highlights liefern Günter Franzmeier als poetischer Pathologe Michael Kreindl, der seinen fragwürdigen Charme auch im Angesicht der Dekontamination ungeniert auf die junge Kollegin lenkt, sowie Markus Schleinzer als für den Quarantäneplan in der Steiermark zuständiger Beamter des Gesundheitsministeriums. Immer am Rande des Herzinfarkts kämpft dieser fluchend gegen die Skepsis gegenüber den verordneten Maßnahmen sowie die renitenten Ermittler, die die Arbeit am eigentlichen Fall gegen alle Restriktionen fortsetzen.

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Viele Fragen zur Flüchtlings- und Integrationspolitik werden in "Virus" im Kleinen gestellt, nicht aber großflächig verhandelt. Das Thema der Verantwortlichkeit gegenüber dem Leid in möglicherweise gar nicht so weit entfernten Weltregionen bekommt hingegen weit mehr Platz. Zu denken gibt aber auch die recht österreichische Reaktion auf die konkrete Gefahr, bei der einander Panik und Witz quasi auf Augenhöhe begegnen. Auch angesichts dessen bleibt zu hoffen, dass das Szenario nicht real eintritt.