Neugeborenes ertränkt: Mutter gesteht nach 28 Jahren die furchtbare Tat der Polizei

6-fache Mutter hat Baby danach im Ofen verbrannt Staatsanwalt erhebt Anklage gegen 56-jährige Frau

Die Staatsanwaltschaft Wien hat nun gegen eine sechsfache Mutter Anklage wegen Mordes erhoben, weil diese vor 28 Jahren in der Bundeshauptstadt ein Kind zur Welt gebracht und dieses unmittelbar nach der Geburt ertränkt haben soll. Das Ungewöhnliche an diesem Fall: Die mittlerweile 56 Jahre alte Frau war von sich aus zur Polizei gegangen, um ein spätes Geständnis abzulegen. "Ich will mein Gewissen erleichtern", lautete ihre Begründung.

Da Mord nicht verjährt, wird sich die Frau am 13. November vor einem Geschworenensenat im Straflandesgericht verantworten müssen. Strafrahmen: Zehn bis 20 Jahre Haft, sofern das Gericht nicht vom außerordentlichen Milderungsrecht Gebrauch machen sollte. Die Anklage beruht ausschließlich auf den Angaben der Mittfünfzigerin, da es weder Tatzeugen noch Mitwisser gibt.

Ein Psychiater, der im Rahmen des gerichtlichen Vorverfahrens die Angeklagte untersucht hat, hält ihre Angaben für glaubwürdig und zuverlässig. Die Kärntnerin war im Sommer 1968 nach Wien gezogen, wo sie einen Mann kennen lernte, diesen heiratete und zwei Kinder zur Welt brachte. Die Ehe scheiterte allerdings. Nach der Scheidung ging sie mit einem Studenten eine Affäre ein. Sie wurde erneut schwanger. Als sie ihrem Liebhaber davon erzählte, machte ihr dieser heftige Vorwürfe: Er war verheiratet, ein außereheliches Kind kam für ihn nicht in Frage.

Die Frau bemühte sich in weiterer Folge, ihre Schwangerschaft zu verheimlichen, indem sie ihren Bauch verband und weite Kleider trug. Ihren Angaben zufolge bemerkten weder ihre Familie noch Freunde und Bekannte etwas. Da sie keine Möglichkeit sah, als allein erziehende Mutter von zwei Kindern im Volksschulalter ein drittes zu ernähren - der Student hatte die Beziehung inzwischen beendet -, fasste sie ihren Angaben zufolge im neunten Monat ihrer Schwangerschaft den Entschluss, dieses nach der Geburt zu töten.

Wie nun in der Anklageschrift nachzulesen ist, leitete die hochschwangere Frau "am 4. April 1977 oder 1978" - das genaue Jahr ist ihr offenbar nicht mehr erinnerlich - in ihrer Wohnung den Geburtsvorgang ein, nachdem sie einen mit Wasser gefüllten Waschbottich und einen kleinen Abbrennofen bereitgestellt hatte. Mit den Fingernägeln brachte sie die Fruchtblase zum Platzen, ein Mädchen erblickte das Licht der Welt.

Durch mehrmaliges Eintauchen in den Bottich soll die damals 27 bzw. 28 Jahre alte Frau das Neugeborene getötet haben. Die Leiche verbrannte sie im Ofen, wobei sie laut Anklageschrift "zwei Mal nachheizte". Die Nachgeburt entsorgte sie in einem Plumpsklo auf einer nahe gelegenen Baustelle.

Den Vater des Kindes ließ sie kurz danach wissen, sie habe "das Problem beseitigt". Dem Mann genügte diese Information, er fragte nicht weiter nach. Dann schwieg sich die Frau fast 30 Jahre lang über das Geschehene aus. In den achtziger Jahren fand sie einen neuen Partner, heiratete ein zweites Mal und brachte vier weitere Kinder gesund zur Welt, die mittlerweile großjährig sind.

Zuletzt lebte die sechsfache Mutter von einem Pensionsvorschuss und war bestrebt, die Studienberechtigungsprüfung abzulegen. Sie will Geschichte studieren. (apa)