Neuerlicher Dopingfall bei Tour de France: Kohls Zimmerkollege gab positive Probe ab

Schumacher: Nie illegale Substanzen genommen Auch Italiener Leonardo Piepoli auf CERA getestet

Neuerlicher Dopingfall bei Tour de France: Kohls Zimmerkollege gab positive Probe ab © Bild: EPA/Bouvy

Der Radsport liefert mit einem weiteren Dopingfall bei der heurigen Tour de France neuerlich Negativ-Schlagzeilen. Nach einem Bericht der Online-Ausgabe der französischen Sportzeitung "L'Equipe" ist der Deutsche Stefan Schumacher (Team Gerolsteiner) bei der nachträglichen Kontrolle seiner im Juli abgegebenen Blutproben im Labor in Chatenay-Malabry positiv auf das Präparat CERA getestet worden. Teamchef Hans-Michael Holczer wurde von Tour-Direktor Christian Prudhomme informiert und bestätigte dies. Schumacher, der Zimmerkollege von Bernhard Kohl, hat beide Zeitfahren der heurigen Tour gewonnen und in der Anfangsphase zwei Tage lang das Gelbe Trikot getragen.

Auch beim Italiener Leonardo Piepoli, der während der Tour bereits gestanden hat, und beim Italiener Riccardo Ricco, der bereits für zwei Jahre gesperrt wurde, haben die nach einer neuen Methode durchgeführten Tests ein positives Resultat auf CERA gebracht. Laut "L'Equipe" ergaben die Auswertungen im Labor in Lausanne und in Chatenay-Malabry bei Schumacher gemeinsam ein positives Resultat. Bei Ricco war CERA, ein Nachfolgeprodukt von EPO, im Urin nachgewiesen worden, bei anderen Fahrern war dies im Juli trotz Verdachtsmomenten nicht eindeutig möglich gewesen.

Neuer Test kann CERA nachweisen
Es wurde daher über Auftrag der französischen Anti-Doping-Agentur ein neuer Test entwickelt und das Blut von Fahrern, die anormale Werte aufgewiesen hatten, erneut kontrolliert. Nach einem Bericht des französischen TV-Senders TV2 vom Sonntag werden neben den drei oben genannten Fahrern auch Proben von fünf Profis des Teams CSC-Saxo Bank untersucht. CERA war bis heuer nicht nachweisbar, und damit hatten offenbar auch Teilnehmer der heurigen Tour spekuliert. Das gegen Anämie entwickelte Medikament wirkt über einen längeren Zeitraum. Es muss daher nicht so häufig angewendet werden, ist dadurch aber auch länger nachweisbar.

Schumacher im Visier der Doping-Jäger
Schumacher war einer jener Fahrer gewesen, die sich laut "L'Equipe" speziell im Visier der Doping-Jäger befunden hatten. Der Deutsche ist einer der Topstars des Teams Gerolsteiner von Hans Michael Holczer, das am Saisonende seinen Betrieb mangels eines neuen Sponsors einstellen muss. Schumacher leugnete gegenüber dem Internetanbieter spox.com die Verwendung verbotener Substanzen. "Ich kann nur sagen, dass ich nie gedopt habe. Das ist völliger Schwachsinn. Meine Blutwerte während der Tour waren völlig normal." Der Gewinner des Amstel Gold Race 2007 wurde dennoch von seinem Rennstall umgehend suspendiert.

Holczer: "Sind betrogen worden"
Holczer kündigte überdies eine Schadenersatzklage an: "Wir sind betrogen worden. Ich werde Stefan Schumacher bis zum letzten Cent, den ich in der Tasche habe, versuchen juristisch zu verfolgen." Er habe keinen Verdacht gehabt, sagte Holczer der Deutschen presse Agentur dpa. Schließlich sei der Profi heuer 13-mal vom Weltverband UCI überprüft worden, davon neunmal für den Blutpass. Der deutsche Radsport-Verband will neben einer Sperre die Möglichkeit einer Geldstrafe und von Schadenersatzforderungen prüfen. Schumacher hatte für die kommenden zwei Jahre einen Vertrag beim Team Quick Step unterschrieben.

Schon im Vorjahr hatten sich über dem 27-jährigen WM-Dritten von Stuttgart 2007 Gewitterwolken zusammengebraut. Nach einem Autounfall im Oktober waren bei der Kontrolle durch die Polizei neben Alkohol auch "geringe Spuren von Amphetaminen" nachgewiesen worden. Wenige Tage vor der WM in Stuttgart hatte eine Dopingkontrolle "auffällige Blutwerte" angezeigt, die jedoch nach Zusatztests vom Weltverband auf eine Durchfallerkrankung zurückgeführt wurden.

Kein Kommentar von Kohl
Bernhard Kohl, der Gesamt-Dritte der Tour de France, wollte die Meldung der Sportzeitung "L'Equipe" gegenüber der Austria Presse Agentur nicht kommentieren und sich auch sonst nicht über Schumacher äußern. "Ich habe heute Vormittag noch mit Stefan telefoniert, er müsste eigentlich der erste sein, der das erfährt. Ich will dazu nichts sagen, solange es nicht offiziell ist", erklärte der Niederösterreicher. (apa/red)