Neuer Wohlfühlfaktor bei ÖSV-Ski Herren:
Mannschaft will zurück zu alter Stärke finden

Neo-Coach Berthold laut Raich "ein lässiger Typ" Schönfelder: "Geht auf die Läufer als Person ein"

Neuer Wohlfühlfaktor bei ÖSV-Ski Herren:
Mannschaft will zurück zu alter Stärke finden © Bild: APA/Gindl

Es weht ein frischer Wind in der Mannschaft der ÖSV-Alpin-Herren. Zumindest Stimmung und Teamgeist, sofern es den im Skisport gibt, scheinen bereits WM-tauglich zu sein. Einerseits dürfte die starke Kritik aufgrund des verpatzten vergangenen Winters zu einer Art von Zusammengehörigkeitsgefühl geführt haben, andererseits setzt Neo-Cheftrainer Mathias Berthold neue Impulse.

Rainer Schönfelder, seit 1996 für den ÖSV im Weltcup, spricht von einem "gestiegenen Wohlfühlfaktor". "Wenn der Wohlfühlfaktor passt, dann besteht für mich kein Zweifel, dass sich wieder die Erfolge einstellen. Dieser Faktor war zuletzt in gewissen Ecken des Teams nicht immer gegeben." Genau in diese Richtung scheint Berthold u.a. zu arbeiten. "Er geht auf die Läufer als Person ein. Das gefällt mir, weil wir funktionieren nicht alle gleich", berichtete Schönfelder.

Berthold laut Raich "ein lässiger Typ"
Für den 33-Jährigen war der Wechsel an der Spitze ein richtiges Signal. "Weil man ab und zu Systeme überdenken und neu zusammenstellen muss. Und das wurde gemacht." Benjamin Raich legt auf die Feststellung wert, dass unter Bertholds lange Zeit höchst erfolgreichem Vorgänger Toni Giger (von 1999 bis 2010 im Amt) ebenfalls sehr gut gearbeitet worden sei. "Und auch die Stimmung war größtenteils sehr gut." Berthold verfügt jedoch laut Raich über einen sehr wertvollen Mix aus positiven Eigenschaften: "Er kann gut organisieren, ist eine Respektsperson, aber trotzdem umgänglich. Mathias ist ein lässiger Typ, fast wie ein Kollege."

Teambuilding-Maßnahmen wie ein Eishockey-Trainingslager in St. Pölten oder ein Kletter-Camp im Montafon sind bei den Läufern gut angekommen. Auch bei Slalom-Ass Reinfried Herbst. "Früher hast du die Abfahrer oft das ganze Jahre nicht gesehen. Jetzt wird ein bisschen die Gruppendynamik angekurbelt, das ist gut", meinte der Salzburger, der jedoch keinen Hehl daraus macht, dass Skifahrer klassische Einzelsportler sind: "Im Endeffekt schaut jeder nur auf sich selbst."

"Der Teamkollege ist ein Konkurrent
Das weiß auch Schönfelder: "Der Teamkollege ist ein Konkurrent, der dir den Sieg oder Startplatz wegschnappen kann. Die Aufgabe des Cheftrainers ist es daher, die Einzelsportler zu einer Gruppe zu machen." Raich sieht einen weiteren Vorteil am "neuen Besen". "Das Skifahren wird auch er nicht neu erfinden. Aber ein Neuer hat einen neuen Zugang zu Lösungen von Schwachstellen und Problemen. Und vielleicht bist du da als Athlet aufmerksamer und kapierst besser."

Auch Teamküken Marcel Hirscher ist vom neuen Chef angetan. "Man merkt einen brutalen Ruck in der Mannschaft. Der Umgang ist lockerer. Der Chef hockt sich dazu beim Mittagessen. Und wenn mal blöd geredet wird, dann reden wir alle zusammen blöd. Mathias ist eher mehr einer von uns. "

Neuer Chefcoach geht auf individuelle Bedürfnisse ein
Neben der Verbesserung des Teamklimas taugen dem Salzburger einige weitere Dinge. Etwa Änderungen beim Essen sowie bei der Quartierwahl, die für Hirscher aufgrund seiner Hausstauballergie nicht unwesentlich ist. "Beim Toni (Giger, Anm.) hat es geheißen: Alle im Teamhotel und aus. Und jetzt schlafe ich eben im Nachbarhaus, falls es aufgrund des Teppichbodens nicht möglich ist, dass ich eine Nacht durchschlafen kann. Da geht es nicht um Extrawürste, sondern um Bedürfnisse", erklärte der 21-Jährige.

Hirschers Einschätzung nach ist auch der teaminterne Leistungsdruck gesunken. "Das ist für einen Sportler definitiv angenehmer. Es will sowieso jeder Athlet das Bestmögliche herausholen, da muss man nicht auch noch internen Druck kriegen." Sonstige erste auffällige Veränderungen bzw. geplante Veränderungen: Berthold hat bei der Skitechnik-Arbeit genauso angesetzt wie beim Gleiten, die Einsatzpolitik bezüglich Europa- und Weltcup liegt dem Vorarlberger sehr am Herzen, die Anzahl der Trainer wurde erhöht, die Trainingsschwerpunkte Richtung Allrounder wurden eher gestoppt.

(apa/red)