Neuer Prozess um Abu Ghraib-Gefängnis: Folterungen nach Absprache mit Rumsfeld?

Angeklagter Offizier hetzte Hunde auf Gefangene PLUS: Alle Folterbilder aus dem Horrorgefängnis

Neuer Prozess um Abu Ghraib-Gefängnis: Folterungen nach Absprache mit Rumsfeld?

Mit der Auswahl von sieben Geschworenen hat am Montag in den USA ein mit besonderer Spannung erwarteter Militärprozess um die Gefangenenmisshandlungen von Abu Ghraib begonnen. Vor Gericht in Fort Meade (Maryland) steht der US-Unteroffizier Santos Cardona, der unter anderem wegen Körperverletzung und Einschüchterung von Häftlingen mit einem Schäferhund in der irakischen Einrichtung bei Bagdad angeklagt ist. Als Hauptzeuge der Verteidigung ist General Geoffrey Miller vorgeladen, der früher Kommandant des US-Gefangenenlagers Guantánamo Bay (Kuba) war.

Nach Zeugenaussagen in vorausgegangenen Prozessen soll er in Absprache mit Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Einsatz von Hunden bei Verhören in Guantánamo befohlen und dies dann später auch für Abu Ghraib verfügt haben. Es ist das erste Mal in der Serie von Verfahren um Abu Ghraib, dass vor Gericht ein Zeuge direkt zu den Strategien des Pentagon befragt wird. Miller ist insgesamt auch der ranghöchste Offizier, der im Zusammenhang mit dem Misshandlungsskandal aussagen muss.

Cardona (32) drohen im Fall eines Schuldspruchs in allen Punkten 16 Jahre Haft. Die Eröffnungsplädoyers wurden für Dienstag angesetzt, wie ein Militärsprecher in Fort Meade mitteilte. Ein anderer, ähnlich beschuldigter US-Hundeführer, Michael Smith, war im März zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden und damit glimpflich davongekommen. Wie im Fall von Smith argumentiert auch die Verteidigung im Prozess gegen Cardona, dass der Angeklagte auf Befehl von oben handelte.

Das Verfahren ist das elfte im Zusammenhang mit den Vorgängen von Abu Ghraib. Bilder von den Misshandlungen, auf denen in einem Fall auch Cardona mit seinem Schäferhund und einem völlig verängstigten nackten Gefangenen zu sehen ist, waren im Frühjahr 2004 um die Welt gegangen und hatten Abscheu und Empörung ausgelöst. In den zehn bisherigen Verfahren - sämtlich gegen Soldaten mit Mannschaftsdienstgraden - waren zum Teil mehrjährige Gefängnisstrafen verhängt worden. Als bisher einziger Offizier wurde Anfang Mai der ehemalige Leiter des Verhörzentrums in Abu Ghraib, Oberstleutnant Steven Jordan, angeklagt.
(apa/red)