Neuer Polit-Wirbel um BAWAG: Debatten schaden Verkauf der angeschlagenen Bank

Bankchef Nowotny warnt die politischen Akteure "Alle Bieter der aktuellen Runde vertrauenswürdig"

Vor der Wahl kommt die BAWAG nich einmal heftig unter Beschuss. Mitten im Beginn der heißen Phase des BAWAG-Verkaufs - der Prüf-Phase - ist die Gewerkschaftsbank abermals ein Angelpunkt der politischen Auseinandersetzungen. Wieder geht es um offene Fragen einstiger großer Deals, wie um die bulgarische Mobiltel oder die Eurofighter-Vorfinanzierung, zu denen die Bank aus Gründen des Bankgeheimnisses beharrlich schweigt.

BAWAG-Chef Ewald Nowotny sieht dem BAWAG-dominierten Wahlkampffinale mit Sorge zu. "Gut ist das nicht mitten im Verkaufsprozess", sagte Nowotny bei einer Podiumsdiskussionsveranstaltung des "Standard" und des Finanzmarketingverbandes. Das berge immer die Gefahr einer Wertminderung beim Verkauf der Bank.

Nowotny bedauerte "Versuche aller Seiten, leider aller", sich über die BAWAG P.S.K. politisches Kleingeld zu verschaffen. Gerade wo man dabei sei, verlorenes Vertrauen von Kunden wieder zu gewinnen. Die Höhe der Einlagenabflüsse in den zwei krisenhaften Abhebungswellen Ende 2005 und heuer im Frühjahr beziffert Nowotny weiter nicht, da man während des Verkaufsprocederes nach außen keine Zwischenstände nennen will. "Abgerechnet wird am Schluss". Kolportiert wurden bisher Abflüsse zwischen mehr als 2 und mehr als 3,5 Mrd. Euro.

Bei der Podiumsdiskussion ging es um das "Vertrauen im Finanzgeschäft". Das Vertrauen in die von Karibik-Milliardenspekulationen und der Refco-Affäre erschütterte BAWAG wieder herzustellen werde wohl etwas länger dauern als beim Weinskandal in den 80er Jahren, war die übereinstimmende Meinung bei der Debatte.

Einblick in BAWAG-Bücher
Ab dem 2. Oktober erhalten die Interessenten an der BAWAG Einschau in die vertraulichen Bücher der Bank. Im "Datenraum" können sie so die viertgrößte Bank des Landes auf Herz und Nieren prüfen. Für Mitte November, die Rede ist bisher von der Bank nicht kommentiert vom 13. November, werden dann die endgültigen verbindlichen Offerte erwartet. Sie können dann, voraussichtlich bis Dezember, bis kurz vor dem Verkaufsbeschluss, bei Bedarf noch nachgebessert werden.

Alle in der jetzigen (unverbindlichen) Runde vertretenen Bieter seien geeignet, das Vertrauen in die BAWAG zu stärken, so Nowotny. Seit den ersten Interessensbekundungen sind bereits einige ausgeschieden. "Leute, die nicht vertrauenswürdig sind, würden nicht in den Prozess hereinkommen", sagte Nowotny heute. Über seine "Wunschkonstellation" für den Zusammenbau eines Käuferkonsortiums machte er keine Angabe.

Unverbindlich geboten haben nach bisherigen Informationen große Versicherer mit Fonds (z.B. Generali mit Cerberus und Wüstenrot), J.C. Flowers, Apollo, KKR, Allianz-Versicherung, BayernLB, SEB Banken und aus Österreich Raiffeisen. Auch General Electric soll noch an Bord sein. Das vom Noch-Eigentümer ÖGB mit dem BAWAG-Verkauf beauftragte Investmenthaus Morgan Stanley will die BAWAG bis Jahresende verkaufen - zum Höchstpreis. (apa/red)