Neuer Inzest-Fall von

"Kein Hinweis auf Auffälligkeiten"

BH Braunau: Töchter zum Schutz weggebracht - 80-jähriger Inzest-Vater in U-Haft

  • Bild 1 von 19 © Bild: NEWS/Susanne Berger/Neumayr.cc

    Sankt Peter am Hart: Hier haben Gottfried W. und seine beiden Töchter gelebt.

  • Bild 2 von 19 © Bild: APA/Fesl

    In diesem Haus soll der Verdächtige Erika und Christine W. jahrelang missbraucht und gefangen gehalten haben.

Es ist der schlimmste Inzest-Fall seit Josef F.: Der 80-jährige Gottfried W. soll im Bezirk Braunau seit 1970 seine beiden Töchter regelmäßig sexuell missbraucht und misshandelt haben. Die Staatsanwaltschaft hat nun die U-Haft über den Verdächtigen verhängt, wie Sprecherin Ernestine Heger bestätigt. Der 80-Jährige habe keine Beschwerde eingelegt, bestreite die Taten laut Staatsanwaltschaft aber nach wie vor. Kinder habe er mit seinen Töchtern keine gezeugt.

Die mutmaßlichen Opfer Christine (53) und Erika (45) werden derzeit sozial und psychologisch betreut. "Sie sind in einer entsprechenden Einrichtung in Österreich untergebracht", sagt der Braunauer Bezirkshauptmann Georg Wojak.

Die beiden geistig eingeschränkten Schwestern mussten vor dem Medienansturm in Sicherheit gebracht werden, so Wojak. Bis der Fall an die Öffentlichkeit gedrungen ist, haben die beiden im Haus ihres Vaters gewohnt. Auf eigenen Wunsch. "Die Frauen wollten nach der Anzeige im Haus bleiben", teilt der Bezirkshauptmann mit. Sie seien allein gut zurechtgekommen und haben sich selbst versorgt. Erst als das öffentliche Interesse zu groß wurde, habe der Sozialhilfeverband Braunau für eine passende Unterkunft gesorgt.

"Familie hat sehr zurückgezogen gelebt"
"Auffälligkeiten hat es keine gegeben", erzählt Wojak. Das Jugendamt sei nie auf die Familie aufmerksam geworden. "Die Töchter haben regelmäßig die Volksschule und später die Sonderschule besucht. Eine der beiden war sogar eine Zeit lang berufstätig", sagt Wojak. Sie erhalte heute eine Invalidenpension. Weil es keinen Hinweis auf Verwahrlosung oder Ähnliches gegeben habe, sei die Behörde nie eingeschritten. "Die Familie hat sehr zurückgezogen gelebt, aber das ist nichts Außergewöhnliches. Auch der Bürgermeister des Ortes hat nie einen entsprechenden Hinweis erhalten", erklärt der Bezirkshauptmann.

Ans Licht gekommen sei der Fall durch die Anzeige einer Sozialarbeiterin, so Wojak: Christine W. hatte den 80-Jährigen nach einem Vergewaltigungsversuch weggestoßen. Der Mann stürzte, seine Töchter ließen ihn zwei Tage am Boden liegen. Schließlich verständigten sie eine Sozialarbeiterin. Ihr erzählten sie von dem Missbrauch. Die Frau verständigte daraufhin die Polizei.

Gegen den 80-Jährigen besteht laut Staatsanwaltschaft der Verdacht der Körperverletzung, des Quälens oder Vernachlässigens unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen, der gefährlichen Drohung, der Nötigung, der Vergewaltigung und weiterer sexueller Delikte gegen wehrlose Personen.

Ermittlungen auch gegen die Töchter
Ermittelt wird aber nicht nur gegen den Vater. Wegen unterlassener Hilfeleistung stehen auch die Schwestern im Visier der Staatsanwaltschaft, wie Sprecherin Ernestine Heger mitteilt. Der genaue Sachverhalt müsse aber erst noch geklärt werden. Auch eine verminderte Zurechnungsfähigkeit könne in diesem Fall eine Rolle spielen.

Sowohl der 80-jährige Vater als auch die Töchter sollen laut Staatsanwaltschaft von einem medizinisch-psychiatrischen Sachverständigen einvernommen werden. Die Untersuchungshaft gegen Gottfried W. ist vorerst bis 9. September aufrecht. Er bleibe weiterhin in der Justizanstalt Ried, so Heger. Dort werde er derzeit medizinisch gut betreut.

Die Schwestern sollen im Volksschulalter auch von einem Bekannten ihres Vaters misshandelt worden sein, so die Staatsanwaltschaft. Außerdem sind sie wiederholt von dem 80-Jährigen mit seinen zwei Waffen bedroht worden. Die Behörden hätten dem Verdächtigen nach der Anzeige daher sofort die Waffen abgenommen, wie Bezirkshauptmann Wojak berichtet. Zusätzlich sei Gottfried W. räumlich von seinen Töchtern getrennt worden. Bis zu seiner Festnahme war der mutmaßliche Täter in einem Pflegeheim untergebracht.