Leben von

Neuer Asterix: Die Gallier
treffen auf Julian Assange

Zurück zu alter Stärke: Das 36. Abenteuer der unbeugsamen Gallier überzeugt

Der Papyrus des Cäsar © Bild: 2015 Les Éditions Albert René

Beim Teutates: Nach beinahe zwei Jahren Wartezeit wurde am Donnerstag endlich das 36. Abenteuer der unbeugsamen Gallier rund um Asterix und Obelix veröffentlicht. In "Der Papyrus des Cäsar" geht es um unterdrückte Informationen und einen Enthüllungsjournalisten, der verdächtig an Wikileaks-Gründer Julian Assange erinnert.

Die Handlung des neuen Bands ist erstaunlich aktuell. Julius Cäsar schreibt ein Buch über die Gallischen Kriege und will darin auch der historischen Wahrheit genüge tun, indem er seine wiederholten Niederlagen gegen Asterix und seine Freunde aus dem "Dorf der Unbeugsamen" schildert. Cäsars Verleger Rufus Syndicus, für den der französische Polit-PR-Profi und Sarkozy-Berater Jacques Seguela als Vorbild gedient haben soll, rät ihm aus Imagegründen aber dringend davon ab.

Cäsar lässt sich überzeugen und Syndicus ordnet die Vernichtung aller bereits bestehenden Kopien des Kapitels an. Ein Schreiber namens Bigdatha schmuggelt jedoch eine Ausgabe aus dem Palast des Verlegers und übergibt sie an einen "gallischen Aktivisten". Dessen Gesichtszüge und auch die Beschreibung seines Charakters weisen relativ unmissverständlich auf Julian Assange als Vorbild hin, auch wenn der "Kolporteur ohne Grenzen" hinterlistigerweise nicht Wikilix, sondern Polemix getauft wurde.

Nach der Übergabe an Polemix kommt jedenfalls, was kommen muss: Er flüchtet in das Dorf der Unbeugsamen, um das Manuskript zu schützen, die Gallier garantieren ihre Hilfe und nach diversen Querelen gibt es ein großes Bankett.

So weit so gut, doch "Der Papyrus des Cäsar" ist mehr als nur seichte, wenn auch zeitgemäße Unterhaltung. Der zweite Streich der Uderzo-Nachfolger Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen) ist vor allem der erste Asterix-Band seit langem, der guten Gewissens als geistreich und - ja, tatsächlich - als witzig bezeichnet werden kann. Auch die für den Gesamteindruck so wichtigen Seitenhandlungen werden endlich wieder ausgespielt: So verzichtet Obelix wegen eines Horoskops auf Wildschwein und "Konflikte", also Schlägereien; Majestix muss mit seiner besseren Hälfte Gutemine anhaltend um die Befehlsgewalt streiten und das andauernde Kurzinformations-Versenden via Brieftauben darf wohl zurecht als Anspielung auf die gesellschaftliche Dauer-Kommunikation via SMS und What's App verstanden werden. Sogar ein Urzeit-Twitter darf nicht fehlen: Der Notruf per "Röhrophon" wird umgehend von verschiedensten Empfängern weiterverbreitet, bis er schließlich die im Karnutenwald weilenden Helden erreicht.

Am Ende gibt es dann sogar noch eine Hommage an die unvergesslichen Schöpfer der Asterix-Reihe, den viel zu früh verstorbenen Texter Rene Goscinny und den mittlerweile 88-jährigen Zeichner Albert Uderzo. So gerechtfertigt diese auch ist: Mit "Der Papyrus des Cäsar" haben ihre Nachfolger Ferri und Conrad nach ihrem noch etwas verhaltenen Debüt "Asterix bei den Pikten" ein rundum gelungenes Heft vorgelegt - und sich damit auch ein klein wenig von ihren großen Wegbereitern emanzipiert. Man darf schon auf Band 37 gespannt sein.

Der Papyrus des Cäsar
© 2015 Les Éditions Albert René

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