Neue Vorwürfe gegen Ex-ÖGB-Chef: Was wusste Verzetnitsch vom Bawag-Skandal?

NEWS: Wusste über 1,4 Mrd. €-Verlust im Jahr 2004 betandwin am Lotterien-Anteil der Bawag interessiert

Dem Magazin zufolge hat die ÖGB-Vermögensverwaltung GmbH (eine 100-Prozent-Tochter des ÖGB) zwischen 2000 und 2002 insgesamt sechs Garantien über geplatzte Spekulationsgeschäfte der BAWAG übernommen. Diese Garantien hätten sich auf Verluste bezogen, die in liechtensteinischen Briefkastenfirmen (Bensor, Glenstar, Biano und Treval) "geparkt" waren. Je nach Anwachsen der Verluste sei eine Garantie gegen die andere umgetauscht worden. Diese Garantien dienten dazu, die aufgelaufenen Verluste in der BAWAG-Bilanz zu verschleiern, schreibt "News".

Die entsprechenden Dokumente - die auch für die ÖGB-Solidarität-Privatstiftung unterzeichnet wurden - würden die Unterschriften des (damaligen) ÖGB-Finanzreferenten Günter Weninger und von Verzetnitsch tragen. Die Anklagebehörde hat wie berichtet gegen Verzetnitsch wie auch gegen Weninger (auch in seiner Funktion als BAWAG-Aufsichtsrats-Präsident) staatsanwaltliche Vorerhebungen wegen des Verdachtes der Bilanzfälschung (§ 255 Aktiengesetz) bzw. Beteiligung daran eingeleitet.

betandwin an Lotterien-Anteil interessiert
Unterdessen melden sich neue Interessenten an BAWAG-Beteiligungen. Für Manfred Bodner, Co-Chef von betandwin, ist der Lotterien-Anteil der BAWAG ein Thema: "Ja, ein Anteil an den Österreichischen Lotterien wäre interessant für uns. Ich kann mir vorstellen, dass es Synergien gibt", so Bodner im "News"-Interview. BAWAG-Chef Ewald Nowotny hat Anfang März - noch vor Bekanntwerden der einstigen Karibik-Verluste - den Lotto-Anteil der Bank allerdings für sakrosankt erklärt.

Bawag soll Bilanzprüfer getäuscht haben
Wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation geht die Staatsanwaltschaft Wien nun auch gegen jene Prüfer der Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG vor, die die Bilanzen der BAWAG seit 1995 testiert haben. Dies berichten die "Oberösterreichischen Nachrichten" unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Basis der Ermittlungen sind Anzeigen gegen die Bilanzprüfer. Zudem halten sich zwei US-Staatsanwälte zu Recherchen in Wien auf. Sie haben Akten übergeben, die das BAWAG-Management im Zusammenhang mit der Refco-Pleite schwer belasten sollen.

Laut "Presse" entwickelt sich wegen früherer kritischer Bilanzangaben jetzt auch der geplante BAWAG-Verkauf zum Thriller. Und hier wehren sich die Prüfer: Auch die BAWAG habe ihre Wirtschaftsprüfer bei der Bilanzerstellung seinerzeit falsch informiert, zitiert die Zeitung Prüferkreise. Die Käufersuche läuft, aber Altlasten und noch nicht gelöste Bilanzprobleme bremsen.

Der Zeitung zufolge werden die Bilanzen der Jahre vor 2005 noch einmal auf Unregelmäßigkeiten und vor allem auf "Werthaltigkeit" abgeklopft. Die Prüfer - KPMG und Deloitte - seien nämlich zur Ansicht gekommen, dass die Gewerkschaftsbank "möglicherweise nicht immer richtig informiert hat". In einem Fall seien sie, wie die "Presse" unter Berufung auf Prüferkreise berichtet, auch schon fündig geworden: Angegebene Barmittel befanden sich zum inkriminierten Zeitpunkt zwar in einer österreichischen Bank - aber nicht in der BAWAG, wo sie bilanziert worden waren. "Daraus schließen wir, dass es noch mehr solche Vorkommnisse gegeben haben könnte", sagte ein Informant.

Als kritisch gelte weiterhin die Bilanz des Jahres 2000, die nur mit Hilfe einer ÖGB-Haftung erstellt werden konnte: Finden sich hier Unregelmäßigkeiten, dann müsste der Bilanzprüfer - in dem Fall die KPMG - sein Testat (die Bestätigung der ordnungsgemäßen Bilanzierung) zurückziehen, schreibt die "Presse". Mit einem riesigen Dominoeffekt: Dann wären auch alle folgenden Bilanzen "offen", einschließlich der des Jahres 2004, in der durch Aufwertungen von Firmenteilen ein Gutteil der Karibik-Schulden kompensiert worden sei. Auch der geplante Verkauf der BAWAG P.S.K. wäre dann nicht möglich, weil dazu gesicherte Bilanzen notwendig sind. Bei der KPMG sieht man aber noch keinen Grund zur Panik: "Derzeit sehen wir keine Veranlassung, unser Testat zurückzunehmen", hieß es. Im Übrigen sei jetzt die Finanzmarktaufsicht - die gemeinsam mit der Nationalbank alle BAWAG-Bilanzen der vergangenen Jahre durchgeht - am Zug.

Der ÖGB geht unterdessen davon aus, dass die Bilanzen der Gewerkschaftsbank "halten" und die Bank damit relativ kurzfristig verkaufbar ist. Auch gegenüber der APA verlautete, dass die alten Bilanzen der Wiener Großbank "möglichst" nicht mehr aufgeschnürt werden, dazu werde alles getan werden. (apa/red)