Neue Verfügung in der Causa Meinl: Kläger wollen sich jetzt seinen Landsitz sichern

Banker besitzt Liegenschaft in der Steiermark Advofin will für Geschädigte zwei Milliarden Euro

Neue Verfügung in der Causa Meinl: Kläger wollen sich jetzt seinen Landsitz sichern © Bild: APA/Guenter R. Artinger

Der Prozessfinanzierer Advofin will in der Causa Meinl schon wieder eine einstweilige Verfügung zur Sicherstellung von Vermögen für mutmaßlich geschädigte Anleger der ehemaligen Meinl European Land erwirken. Jetzt haben es die Anleger-Anwälte auf Julius Meinls Landgut Lehenshofen in der Gemeinde Rabenwald bei Pöllau abgesehen. Das Gericht soll Meinl verbieten, das Gut zu veräußern oder zu belasten, so das Ansinnen Advofins. Ein entsprechender Antrag soll heute eingebracht werden.

Allein Meinls Adresse Rabenwald 38 habe einen Liegenschaftsumfang von 57 Hektar, so der Bericht. Laut der "Kleinen Zeitung" dürfte die gesamte Liegenschaft, auf der unter anderem Fasane für die Jagd gezüchtet werden sollen und der Reiterei gefrönt werde, aber mindestens doppelt so groß sein. "Die Klage geht gegen Julius Meinl persönlich, und der hat verschiedene Wohnadressen in Österreich", sagte Advofin-Chef Franz Kallinger zum "WirtschaftsBlatt". Die Sicherstellung werde beantragt, um für die Geschädigten wegen etwaiger Schadenersatzforderungen auf Vermögen zugreifen zu können. Der Prozessfinanzierer vertritt rund 9.000 mutmaßlich geschädigte MEL-Anleger.

Zwei Milliarden Schadensersatz
"Er hält sich unseren Wissens derzeit auf Gut Lehenshofen auf", so Advofin-Anwalt Ulrich Salburg, der den Antrag auf Plombierung heute einbringen will, laut Zeitung. Darin führe der Rechtsvertreter an, dass auf Meinl Schadensersatzforderungen in der Höhe von 2 Mrd. Euro zukommen werden "und diese bei weitem auch dessen finanzielle Möglichkeiten übersteigen werden".

In einer Klage, die Salburg ebenfalls heute beim Bezirksgericht Hartberg einbringen will, werde Meinl rechtswidriger Kauf eigener Aktien und Kursmanipulation, Irreführung hinsichtlich der Verwendung der veranlagten Gelder sowie hinsichtlich der Rendite aus den Mieteinnahmen der Immobilien vorgeworfen. Auch die Ausgabe der umstrittenen "Partly Paid Shares" (PPS) als Schutz vor mutmaßlicher feindlicher Übernahme ("Takeover Defense") werde erneut gegen den Banker ins Treffen geführt. Julius Meinl und die Meinl Bank haben diese Vorwürfe stets zurückgewiesen. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

In den Augen von Meinl-Verteidiger Herbert Eichenseder führen derartige Zivilverfahren "zu keinem Ziel". Wenn eine Klage direkt gegen Julius Meinl eingebracht werde, "erleidet diese das Schicksal aller Zivilverfahren, dass diese bis zu Beendigung des Strafverfahrens unterbrochen werden", so der Jurist laut Bericht.

Streit um Kaution
Indes ist die Mega-Kaution von 100 Mio. Euro, die Meinl hinterlegen musste, um aus der U-Haft zu kommen, weiter Thema für Anlegervertreter. Gestern, Mittwoch, hat der Rechtsanwalt Wolfgang Haslinger im Namen hunderter MEL-Anleger bei der Staatsanwaltschaft Wien einen Antrag auf Sicherstellung der gesamten Kaution eingebracht, schreibt das "WirtschaftsBlatt".

Advofin-Anwalt Salburg hatte wie berichtet bereits am Montag beim Bezirksgericht Wien-Döbling - also auf zivilrechtlicher Ebene - einen Antrag auf Einfrierung eines Teils der Kaution eingebracht. Wegen der hohen Gebühren wollte der Rechtsvertreter vorerst nur die Plombierung von 100.000 Euro erwirken. Ein Antrag auf Sicherstellung der ganzen Kautionssumme würde rund 600.000 Euro an Gebühren verschlingen, sagte Salburg Anfang der Woche.

Haslingers Antrag koste hingegen nichts, weil er ihm Rahmen des Strafverfahrens und nicht im auf zivilrechtlicher Ebene eingebracht wurde, so Salburg heute auf APA-Anfrage. Er hofft, "dass zumindest einer der beiden Möglichkeiten zum Erfolg führt". Bis das Döblinger Bezirksgericht über die beantragte einstweiligen Verfügung entscheidet, könnte es aber noch dauern. Salburg müsse dem Gericht noch Unterlagen aus dem Meinl-Strafakt vorlegen. Das gestalte sich derzeit jedoch als "äußerst schwierig" - erstens sei der zuständige Staatsanwalt Markus Fussenegger "zur Zeit nicht da" und zweitens werde der Akt ständig benutzt.

Advofin werde jedenfalls "noch weitere Schritte setzen". Der Prozessfinanzierer hat es noch auf andere Vermögensteile Meinls abgesehen - "wenn möglich, auch im Ausland", so Salburg.
(apa/red)