Neue Rolle für Gerhard Kapl: Österreicher
bei WM Sicherheitschef in Münchner Stadion

Gerhard Kapl: "Es kann immer etwas passieren"

Gerhard Kapl schlüpft während der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland in eine neue Rolle. Bei der EURO 2004 noch als UEFA-Generalanwalt und damit als "Chefankläger" bei Verfehlungen von Spielern im Einsatz, konzentriert sich der 59-jährige Steirer jetzt auf das Verhalten der Fans - Kapl ist als "FIFA Security Officer" für den reibungslosen Ablauf der Partien im WM-Stadion München verantwortlich.

"In meinen Bereich fallen die Vorkommnisse um das Stadion und in der unmittelbaren Nähe der Arena. Wenn es zu Ausschreitungen in der Innenstadt kommt, muss sich ausschließlich die Polizei damit beschäftigen", erklärte der ehemalige FIFA-Schiedsrichter, der am Donnerstag und Freitag ein letztes Briefing in Berlin absolviert, ehe er in die bayrische Hauptstadt reist.

Um seine Aufgabe erfolgreich zu bewältigen, ist laut Kapl vor allem Kooperation und Koordination gefragt. "Es bedarf einer guter Zusammenarbeit mit der Polizei und den Sicherheitsverantwortlichen der Mannschaften, des Stadions und der lokalen Behörden", sagte der ÖFB-Vizepräsident und Chef des steirischen Verbandes, der in seiner Eigenschaft als UEFA-Delegierter schon Erfahrungen in der sicherheitstechnischen Abwicklung von wichtigen Partien gesammelt hat.

Zumindest die Gruppen-Paarungen in München lassen nicht befürchten, dass auf den Doktor der Rechtswissenschaften und der Betriebswirtschaft ein Übermaß an zusätzlicher Arbeit zukommen könnte. Nach dem Eröffnungsmatch Deutschland - Costa Rica (9. Juni) lauten die Partien Tunesien - Saudi-Arabien (14.), Brasilien - Australien (18.) und Elfenbeinküste - Serbien-Montenegro (21.). "Aber man muss auf der Hut sein, es kann immer etwas passieren. Doch in dieser Hinsicht bin ich beruhigt, wenn ich an die Gründlichkeit der deutschen Polizei denken."

Sollte es tatsächlich zu Ausschreitungen kommen, "muss ich im Einvernehmen mit der Polizei und den übrigen Verantwortlichen alle nötigen Maßnahmen treffen und einen Bericht verfassen, der als Basis für die Entscheidung der FIFA-Disziplinarkommission dient", sagte Kapl, der auch noch für das Achtelfinal- (24.) und Semifinalspiel (5. Juli) in München zuständig ist.

Weiters fungiert der Steirer in den Partien Serbien-Montenegro - Niederlande (11. Juni/Leipzig), England - Trinidad & Tobago (15./Nürnberg), Costa Rica - Polen (20./Hannover) und Kroatien - Australien (22./Stuttgart) sowie im Viertelfinale (30. Juni) und Finale (9. Juli) in Berlin als "Supporting Security Officer", der den dortigen Sicherheitschef unterstützt. "Aber bei diesen Spielen habe ich nicht die Letztverantwortung", betonte Kapl.

Parallel zu seiner FIFA- und UEFA-Tätigkeit sitzt der "Doppel-Doktor" auch noch in der "Stadium and Security Working Group" des Weltverbandes, die sich die Hebung der Sicherheitsstandards in den Stadien bis zur WM 2010 zum Ziel gesetzt hat und ihre Arbeit nach der Endrunde in Deutschland aufnimmt.

Außerdem ist der 59-Jährige weiterhin UEFA-Generalanwalt - diesen von einem Verbandsfunktionär bekleideten Posten, der gegen disziplinlose Kicker vorgeht, gibt es in der FIFA allerdings nicht. Nach Verfehlungen wie etwa der "Spuck-Attacke" von Francesco Totti während der EURO 2004, die dem Italiener auch auf Grund des Vorgehens von Kapl eine Sperre von drei Spielen einbrachte, entscheidet direkt die FIFA-Disziplinarkommission.

Der Münchner Sicherheitschef brachte es bis 1992 als Schiedsrichter auf 40 internationale und knapp 200 nationale Einsätze. Seit acht Jahren ist Kapl Präsident des steirischen Landesverbandes und ÖFB-Vizepräsident, seit viereinhalb Jahren UEFA-Generalanwalt.

(apa)