Neue Regierung in Amt und Würden: Fischer
lobt das Kabinett Faymann in der Hofburg an

Regierungsmitglieder erschienen mit Kind und Kegel Gegenwind: Opposition verwehrt Koalition Schonzeit

Neue Regierung in Amt und Würden: Fischer
lobt das Kabinett Faymann in der Hofburg an © Bild: Reuters

Werner Faymann darf ab sofort den Titel Bundeskanzler vor seinem Namen tragen. Sein rot-schwarzes Kabinett wurde von Bundespräsident Heinz Fischer feierlich angelobt. Proteste von Regierungsgegnern blieben diesmal zur Gänze aus. Die 13 Minister und vier Staatssekretäre konnten mit ihren Familien bei mildem Herbstwetter den Gang über den Ballhausplatz von Bundeskanzleramt zur Hofburg und wieder zurück ungestört absolvieren.

Eine muss nachsitzen. Da Claudia Bandion-Ortner das BAWAG-Urteil noch nicht fertig diktiert hat, wird sie erst im Jänner als Justizministerin angelobt. Bis dahin fungiert Wissenschaftsminister Johannes Hahn als Ressortchef über die Justiz. Für einige Aufregung sorgen könnte Bandion-Ortners Kabinettschef. Dem Vernehmen nach ist für diesen Posten Georg Krakow im Gespräch, der im von Bandion-Ortner geleiteten BAWAG-Prozess als Staatsanwalt diente.

"Erster Schritt in die Zukunft"
Vorerst ist von Aufregung allerdings noch keine Spur. Bundespräsident Fischer gratulierte Faymann und VP-Chef Josef Pröll zum erfolgreichen Abschluss der Regierungsverhandlungen und wünschte sich von der neuen Regierung eine gute Kooperation und eine faire Zusammenarbeit mit der Opposition. "Auch die längste Reise beginnt mit einem ersten Schritt. Das ist heute der erste Schritt in eine wie ich hoffe gute Zukunft", gab das Staatsoberhaupt dem Regierungsteam für die nächsten fünf Jahre mit.

Faymann fand es nach der Angelobung zwar noch "ungewohnt", nun Bundeskanzler zu sein. Der neue Regierungschef zeigte sich aber doch optimistisch, dass es ihm besser ergehen werde als seinem Vorgänger Alfred Gusenbauer: "Wenn man ein gutes Team hat und nicht zu viel versprochen hat vor der Wahl, dann geht es leichter." Gusenbauer übergab sein Büro, sprach einige Worte zu den Bediensteten des Kanzleramts und wünschte Faymann "toi, toi, toi". Leicht fiel es ihm wohl nicht, als kürzest dienender Kanzler aus dem Amt zu scheiden.

Familienfest in Ministerien
Während Faymann das Bundeskanzleramt Händchen haltend mit Ehefrau Martina beschritt, tollte beim Vizekanzler ein Teil der jüngeren Familie mit. Ein Sohn und eine Tochter begleiteten mit Ehefrau Gabi den ÖVP-Chef auf seinem bis jetzt bedeutendsten Gang. Auch praktisch alle anderen Regierungsmitglieder hatten Lebenspartner und/oder Kinder mitgebracht. Der neue Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich war gleich von einem ganzen Fanbus aus seiner Heimatgemeinde Nebersdorf angefeuert worden.

Faymann hatte sich für seinen ersten Kanzlertag einiges vorgenommen. Er wollte Studenten empfangen, sein früheres Ministerium an die neue Verkehrsministerin Doris Bures übergeben und am Abend mit seiner Frau ein Abendessen zu viert mit den Prölls genießen, ehe es zu einem gemeinsamen Auftritt mit dem Vizekanzler in die "ZiB2" geht. Ob sich der Speiseplan genau so ausgeht, war freilich nicht so fix. Denn Pröll wusste nicht, ob sich das Dinner zu viert zeitlich auch tatsächlich ausgeht.

Ministerrat wieder am Dienstag
Einig ist man sich wenigstens, dass der Ministerrat an den Dienstag heimkehrt, erstmals in 14 Tagen. Bei der letzten Regierung war das Kabinett immer mittwochs zusammengetreten. Neu sind ferner die Koordinatorinnen. Diese Aufgabe übernehmen Maria Fekter und Doris Bures, die diesen Job schon während der Koalitionsverhandlungen innehatten.

(apa/red)