Neue Protestwelle rollt in Ägypten heran:
Lage im Land spitzt sich immer weiter zu

Mubarak will hart gegen Demonstranten vorgehen Regimekritiker planen Großdemos nach Freitagsgebet

Neue Protestwelle rollt in Ägypten heran:
Lage im Land spitzt sich immer weiter zu

Der Machtapparat des ägyptischen Präsidenten Mubarak hat ein hartes Vorgehen gegen die erwartete nächste Protestwelle eingeleitet. Sondereinheiten der Polizei bezogen an strategisch wichtigen Plätzen Kairos Stellung. Seit Mitternacht war das Internet unterbrochen, über das Information und Koordination bei den Demonstrationen der vergangenen Tage liefen. "

Mehrere Mitglieder der oppositionellen Muslimbruderschaft wurden verhaftet. Weitere Großdemonstrationen werden nach dem Freitagsgebet erwartet. Der ägyptische Oppositionelle und Friedensnobelpreisträger ElBaradei ist gestern in das Land zurückgekehrt und greift nun offenbar nach der Macht. Er erklärte sich unter bestimmten Umständen bereit, eine Übergangsregierung zu führen.

Die Entwicklungen galten aber als Vorboten eines noch härteren Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen die bisher größten Demonstrationen gegen die fast 30-jährige Herrschaft Mubaraks. Beamte der Antiterror-Polizei, die sonst nur selten in der Öffentlichkeit gesehen werden, gingen an zentralen Plätzen, darunter dem Schauplatz der bisher größten regierungsfeindlichen Kundgebungen, dem Tahrir-Platz, in Stellung.

Keine Internetverbindung
Am Donnerstagabend fielen in Ägypten die Verbindungen zu Facebook und Twitter aus, auch die SMS-Dienste für Mobiltelefone und BlackBerry-Messenger-Dienste waren unterbrochen. Dann fiel nach Mitternacht das Internet aus. Die italienische Internetfirma Seabone, einer der größten Online-Dienstleister in Ägypten, teilte mit, dass nach Mitternacht kein Datenverkehr nach und aus Ägypten mehr möglich gewesen sei.

Exekutive verhaftet 20 Oppositionelle
Auch die oppositionelle Muslimbruderschaft stellte sich hinter die Protestbewegung. Mindestens 20, davon acht führende Vertreter Mitglieder der Bruderschaft und fünf frühere Parlamentsabgeordnete wurden nach Mitternacht verhaftet.

Als entscheidender Test gilt nun, inwiefern die Protestbewegung nach dem Freitagsgebet Rückhalt bei den Millionen von Gläubigen bekommt, die sich in und vor den Moscheen versammeln. Die Kundgebungen werden nach allgemeiner Erwartung die bisher größten werden.

(apa/red)