Neue Nahrungskrise wegen Spekulation?
Preise für Lebensmittel ziehen wieder an

FORMAT: Spekulanten entdecken Rohstoffe für sich Welt steht vor nächster Lebensmittelverknappung

Neue Nahrungskrise wegen Spekulation?
Preise für Lebensmittel ziehen wieder an © Bild: APA/dpa/Gentsch

In Europa trifft es derzeit notorische Naschkatzen am härtesten: Schokolade könnte 2010 vom Pausenfüller zum Investitionsgut werden. Der Preis für Kakao hat sich seit 2007 verdoppelt, Zucker ist allein 2009 um heftige 127 Prozent teurer geworden. Die Süßstoffbranche hat den Schuldigen bereits gefunden: „Spekulanten haben sich ein neues Spielfeld gesucht und den Kakao entdeckt“, sagte Sönke Renk von Bahlsen auf der Süßwarentagung in München. Doch was hierzulande noch wie ein Luxusproblem klingt, führt in Entwicklungsländern schon zu Hungerrevolten: Die Lebensmittelpreise, die nach ihrem Allzeithoch im Zuge der Krise gerade erst wieder auf Normalniveau angekommen sind, erleben schon wieder eine rasante Steigerung.

Besonders betroffen sind Menschen in ärmeren Ländern, die bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben. „Es kann sein, dass wir wieder Hungerrevolten erleben“, warnt Jacques Diouf, Chef der FAO. In Indien ist es schon jetzt so weit: Allein im Dezember stiegen die Lebensmittelpreise – angefeuert durch eine Dürre – um 20 Prozent. Demonstrationen bringen nun die Regierung in Bedrängnis. „Wir steuern auf eine dramatische Krise zu“, sagt der Präsident des Club of Rome, Ashok Khosla. „Lasst uns realistisch sein, die Nahrungsmittelkrise wird uns erhalten bleiben“, reagierte Premier Mohammed Singh.

Dabei scheint die derzeitige Preissteigerung erst der Anfang zu sein: Nur Zucker, Kaffee und Milchprodukte – wichtige Kalorienlieferanten in ärmeren Ländern – erleben derzeit eine Rally. Die Preise für Getreide hingegen sind 2008 eingebrochen und haben nicht an Fahrt aufgenommen. Doch ein Blick auf die Terminbörsen zeigt: Das könnte sich ändern. Die Futures – Optionen auf den Kauf von Getreide in der Zukunft – zeigen steil nach oben.

Spekulanten als Übeltäter
Das lenkt den Blick auf jene, die schon für den rasanten Preisanstieg 2007 verantwortlich gemacht wurden: die Finanzmärkte. Der Zucker- und der Kakaopreis etwa haben zwar auch natürliche Gründe (wie schlechtes Wetter), werden derzeit aber maßgeblich von Hedgefonds angetrieben. Nun wird Ähnliches für weitere Grundnahrungsmittel befürchtet: Wie 2007 ist enorm viel Geld auf dem Markt – und die Lust, es in die Realwirtschaft und in Aktien zu investieren, hält sich angesichts der flauen Wirtschaftsprognosen in Grenzen.

Jim Rogers – mit George Soros Begründer der Quantum Fonds und als Gründer des Rogers International Commodities Index ein globaler Rohstoffguru – rät etwa herzlich, in Agrar- Rohstoffe zu investieren: „Wir werden in den nächsten Jahren sehr ernste Nahrungsmittelknappheit auf der ganzen Welt erleben, die Preise werden himmelwärts schießen“, sagte er im US-Sender CNBC.

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