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Neue Lokale in Wien: Warum
sehen sie alle gleich aus?

Kommentar - Neue Lokale in Wien: Warum
sehen sie alle gleich aus? © Bild: Istock/Slobodan Vasic/Fotostorm Studio

Kaum betritt man einen neues Café in Wien, wird man in den offenen Räumen von herunterhängenden, nackten Glühbirnen begrüßt. Ungeschliffenes Holz, blank liegende Backsteine, Lüftungsschächte und nacktes Metall runden den ersten Eindruck ab. Warum ist das so?

Es ist doch immer der gleiche Anblick: An der Wand sieht man Rohre. Dazu vielleicht ein paar Zahnräder, Druckmesser, oder Bahnhofsuhren. Häufig prangen farbenfrohe Graffiti vom abblätternden Putz. Ist Banalität plötzlich extravagant?

Lüftungsschächte und blanke Ziegeln

© Max_Xie

Schon mal darüber nachgedacht, warum sich diese neu eröffneten Lokale - die ja eigentlich individuell und alternativ erscheinen möchten - alle mit den gleichen, wenig luxuriösen Symbolen schmücken?

Industrielle Ära als Inspirationsquelle

Offenbar ist der postindustrielle Stil der Metropolen ist zu einem Luxussymbol geworden. Jetzt schmücken sich diejenigen damit, die es sich leisten können, Schäbigkeit schick zu finden. Aber ist das auch gemütlich? Komischerweise, ja. Ich selbst kann nur sagen, dass solche Orte ganz nett sind, um ein paar Stunden dort zu verbringen.

© pixdeluxe

Greifbare Gemütlichkeit

Ein möglicher Grund dafür, warum Industrie-Dekor uns ein so gutes Gefühl gibt, könnte sein, weil unsere Welt eben keine industrielle mehr ist. Unser Leben wird immer digitaler – es hat scheinbar keinen Ort und keine materielle Gestalt mehr. Weil unsere Welt so ungreifbar, gefühllos und ortlos geworden ist, finden wir in einem industriellen Stil Gemütlichkeit.

Warum verzichten edle Restaurants auf Tischdecken?

Ein weiteres Indiz für diesen neuen Minimalismus sind die Tischdecken, die selbst aus der Spitzengastronomie verschwinden. Wichtig ist es dabei zu wissen, dass Tischdecken ursprünglich keine festliche Dekoration waren, sondern zum Säubern von Händen und Mund bei mittelalterlichen Gelagen dienten.

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Verblassendes Statussymbol

Erst später zeigte die Dame des Hauses stolz Gewobenes aus Damast, Seide oder Brokat vor und ließ somit den Wohlstand der Gastgeber erkennen. "Das war ein Statussymbol", sagt Soziologin Christine Varga gegenüber dem Standard.at. Vor allem wenn die Tücher nicht nur am Wochenende den Tisch zierten. Heute sei es "fast schon ein Statussymbol, ohne Tischdecke zu essen".

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Der Hang zur Vergangenheit

In der industriellen Ära funktionierte die verdrehte Architektursprache übrigens genauso. Um die Ängste der Gegenwart zu verschleiern, wurde damals stark auf Ornamente einer vergangenen Epoche gesetzt: So sahen Firmenhochhäuser, Fabriken und Bahnhöfe aus wie Kathedralen. Diese typischen Bauten der Industrialisierung wurden bewusst so gestaltet, als gehörten sie einer vorindustriellen Epoche an. Das Vergangene gibt uns offenbar Halt. Nur die Preise in den trendigen Lokalen passen sich leider immer der Gegenwart an.

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