Neue Investoren für Meinl European Land:
Kleinanleger mit Zorn über den "Spottpreis"

Bis zu einer Milliarde Euro könnte dabei fließen Internetforen sprechen von "Ausverkauf" der MEL

Neue Investoren für Meinl European Land:
Kleinanleger mit Zorn über den "Spottpreis" © Bild: APA/Schneider

Der Ankündigung kam wohl nicht zufällig vor dem langen Osterwochenende: Der Einstieg neuer Investoren bei Meinl European Land (MEL) hat die Kleinanleger heftig bewegt. Der Chef des Interessensverbandes für Anleger (IVA), Wilhelm Rasinger, und andere kritische Kleinanleger sehen bei einem Wandlungspreis von 9 Euro und 7 Euro je Papier bei der Kapitalerhöhung primär einen billigen Einstieg der neuen Investoren und üben scharfe Kritik an Meinl-Bank-Abfindungen.

Im Zuge einer Wandelanleihe und einer Kapitalerhöhung für in Summe zwischen 800 Mio. Euro und theoretisch einer Milliarde Euro wollen mit einem Citibank-Fonds und Gazit zwei internationale Immo-Fonds in einem komplizierten Verfahren bei der MEL das Ruder übernehmen. Das externe Management soll für eine millionenschwere Abschlagszahlung an die Meinl Bank abgelöst werden. Rasinger sprach von "Provokation" und vermisst ebenso wie MEL-Streubesitzer ein Übernahmeangebot für alle, und zwar zum Vermögenswert. Die Gesellschaft selbst verteidigte den geplanten Deal. Analysten sprechen bei einem Wandelanleihezinssatz von 10,75 Prozent von einem "sehr hohen" Preis für die Finanzierung.

In Internetforen von Finanzmedien war von "Ausverkauf" der MEL, weil Verkauf zum Spottpreis unter dem Einstandskurs, die Rede. Man warte nun auf die Hauptversammlung (HV), die dem Deal gewidmet sein wird. Bei Meinl wird argumentiert, dass die Transaktion wegen der Jersey-Lokation kein Übernahmeoffert auslöst.

Anleger sollen "Geld nachschießen"
Alexander Proschofsky vom Austria Börsebrief gab sich ebenfalls kritisch: "Der Deal ist sicherlich ideal für die Meinl Bank und die (bisherige externe MEL-Managemengesellschaft) MERE. Für MEL ist er das Gegenteil." In Rasingers Augen erwarteten sich die privaten Anleger eigentlich ein Übernahmeangebot zum Vermögenswert (Net Asset Value) - zuletzt mit 15,15 Euro beziffert - oder zum vorjährigen Rückkaufkurs von 19,93 bzw. 20,78 Euro pro Stück. Stattdessen werde von den Anlegern "nach all der Frustration" verlangt, dass sie im Gegenteil noch einmal "zusätzliches Geld" nachschießen sollten.

Im Detail sieht der Deal so aus: CPI und Gazit zeichnen im Joint-Venture eine Wandelanleihe von 500 Mio. Euro mit einer Laufzeit von sieben Jahren, einer jährlichen Verzinsung von 10,75 Prozent und wandelbar ab einem MEL-Kurs von 9 Euro. Zusätzlich soll es eine Kapitalerhöhung in Ausmaß von 300 Mio. Euro geben, im Rahmen derer auch die bestehenden MEL-Anleger zu 7 Euro je Stück neue Zertifikate zeichnen können und für jeweils 6 Zertifikate zudem 2 Optionsscheine erhalten. Gazit übernimmt auf die 300 Mio. Euro den Rest, sollten die bestehenden Investoren dies nicht ausschöpfen wollen.

Gleichzeitig erhält Gazit eine weitere Option auf die Zeichnung von neuen Zertifikaten im Ausmaß von weiteren 200 Mio. Euro, die sich um den Betrag reduziert, mit dem das Unternehmen bei der ursprünglichen Kapitalerhöhung zum Zug kommt. Tritt jedoch der theoretische Fall ein, dass die bestehenden Aktionäre zur Gänze die 300 Mio. Euro ausschöpfen, kämen die 200 Mio. Euro noch zusätzlich dazu, erläuterte die Sprecherin in London. In Summe würden der MEL dann eben 1 Mrd. Euro zufließen.

280 Mio. Euro für Meinl Bank
Unabhängig davon soll die Meinl Bank/MERE für Auflösung der umstrittenen Managementverträge 280 Mio. Euro erhalten, davon 160 Mio. Euro in cash, 80 Mio. Euro als Wandelanleihe ebnefalls mit 10,75 Prozent verzinst und 40 Mio. Euro in Form zusätzlicher neuer MEL-Zertifikate zu ebenso 7 Euro das Stück.

Proschofsky erinnerte jedoch daran, dass Julius Meinl selbst den wahren Wert der MEL vor sechs Monaten mit 20 bis 25 Euro je Aktie beziffert habe. Andreas Wölfl von Minerva Investments riet den Kleinanlegern heute , die Pläne in der Hauptversammlung zum Scheitern zu bringen.

IVA-Mann Rasinger glaubt aber, dass Meinl bei der HV den Deal dennoch mit dem Druckmittel durchsetzen könnte, dass im Zuge dessen auch die umstrittenen Partly Paid Shares (PPS) aufgelöst werden. Obwohl mit Stimmrechten ausgestattet, hätten die Zeichner für die Papiere, die nicht an der Börse gehandelt werden, bisher nur einen Minimalbetrag eingezahlt. Rasinger verlangt, dass die PPS "sofort und bedingungslos" eingezogen werden und auf der Hauptversammlung gar keine Stimmkraft mehr haben.

Entscheidung in nächsten 60 Tagen
Die MEL will den Einstieg des Citi/Gazit-Konsortiums in den nächsten 60 Tagen der HV vorlegen. Man hoffe, bis Ende Mai eine HV-Entscheidung herbeiführen zu können, sagte eine Sprecherin in London. Sie verwies darauf, dass MEL in einer Zeit, in der nach der US-Immobilienkrise zahlreiche Konkurrenten der MEL nur mit Mühe frisches Kapital aufstellen könnten, hunderte Millionen erhalte. Meinl European Land bekomme damit die Möglichkeit, die laufenden Projekte problemlos weiterzuverfolgen und sich nach zusätzlichen Projekten umzusehen.

Dass die MEL dafür, dass die bis zu 6 Jahre andauernde Kündigungsfrist bei der Auflösung der externen Managementverträge mit Meinl Bank-Tochter Meinl European Real Estate Ltd. (MERE) nicht schlagend wird, 280 Mio. Euro zahlt, verteidigte die Sprecherin in London damit, dass die Verträge von Merrill Lynch extern bewertet worden seien. Auf die Zusammensetzung des neuen achtköpfigen, internen Managements werde die Meinl Bank und die Familie Meinl dafür keinerlei Einfluss mehr haben. Von den acht Vorständen wird CPI/Gazit vier nominieren, darunter den Chef. Damit werde ein "klarer Schnitt" vollzogen, betonte die Sprecherin.

Das solle sich auch durch die Einziehung der Partly Paid Shares ausdrücken. Wer hinter den Papieren steht, konnte sie weiterhin nicht beantworten. Die Investoren würden aber jedenfalls ausschließlich den einbezahlten Nominalbetrag zurückerhalten.

Neuer Aktien-Tiefststand
In Summe hofft die MEL, dass sie das von den Ratingagenturen aberkannte "Investment Grade Rating" nach Abschluss des Deals "so rasch als möglich wieder zurück erlangen" wird. Der Wandlungspreis von 9 Euro zeige außerdem, dass die neuen Investoren auch davon ausgingen, dass der MEL-Kurs wieder zulegen werde. Die MEL-Papiere waren am Donnerstag um fast 9 Prozent auf einen neuen Tiefststand von 6,58 Euro eingebrochen. Die Ankündigung, dass man mit den Fonds handelseins sei, kam nach Börseschluss. (apa/red)