Neue Hunde-Studie: Vierbeiner agieren
beim Imitieren von Verhalten wie Kinder

Versuche bringen überraschende Resultate hervor Rätselhaft: Denken Hunde? Was geht in ihnen vor?

Neue Hunde-Studie: Vierbeiner agieren
beim Imitieren von Verhalten wie Kinder

Wenn Hunde ihre Artgenossen imitieren, wählen sie nur bestimmte Verhaltensweisen aus - als ob ihnen diese sinnvoller erscheinen als andere. Eine Studie von Wiener Forschern und einer Wissenschafterin der Universität Budapest zeigt, dass der beste Freund des Menschen - ähnlich wie Kinder - nicht einfach nachmacht, was er sieht. "Wir waren überrascht, dass die Hunde diese Selektivität gezeigt haben", sagte Friederike Range vom Department für Neurobiologie und Kognitionsforschung an der Uni Wien.

Für die Studie wurde das Verhalten von drei verschiedenen Gruppen analysiert. Diese wurden unabhängig voneinander im Beisein ihrer Besitzer mit einer Box konfrontiert, aus der durch Ziehen an einem Trapez Futter fiel. Die ersten "Versuchstiere" durften selbst ausprobieren, wie sie an das Futter gelangen könnten. Zwölf von 14 bewegten dafür den Holzstab mit der Schnauze.

Einer anderen Gruppe wurde eine Hündin vorgeführt, die einen Ball im Maul hatte und daher mit ihrer Pfote an dem Trapez zog. Die Tiere, die das beobachteten, verwendeten trotzdem ihre Schnauze, um an das Futter zu gelangen. In ihrer eigenen Situation dürfte es ihnen aus menschlicher Sicht wenig effizient erschienen sein, ebenfalls die Pfote zur Hilfe zu nehmen. Die Hündin war ja quasi dazu gezwungen, weil sie ihre Schnauze nicht frei hatte.

Die dritte Hundegruppe beobachtete ein Tier, das auch ohne einen Ball im Maul zu haben, seine Pfote benützte. Hunde, die diesen Vergang beobachteten, imitierten ihn. Sie agierten, als ob ihnen diesen Verhalten aus irgendeinem Grund sinnvoll erschienen wäre - die Hündin stand ja unter keinem äußeren Einfluss, der sie zu diesem Verhalten gezwungen hätte.

Damit verhalten sich Hunde in solchen Situation ähnlich wie Kinder, die an einer vergleichbaren Studie aus dem Jahr 2002 teilgenommen hatten, erklärte Range. Schimpansen, die als nächste Verwandte der Menschen gelten, hätten sich in ähnlichen Versuchen allerdings nicht davon abbringen lassen, den einfachsten Weg zum Futter zu wählen.

Warum die dritte Hundegruppe so agierte, können die Wissenschafter noch nicht beantworten. "Wir wissen nicht, ob sie wirklich darüber nachdenken und was da kognitiv passiert", sagte Range. Die Forscher wollen nun in weiteren Tests herausfinden, was tatsächlich in den Vierbeinern vorgeht. So will man beispielsweise untersuchen, welche Rolle dabei die Kommunikation mit "Herrchen" und "Frauerl" spielt.

(apa/red)