Neue Hinweise auf Neonazi-Kontakte: FPÖ soll an Nazi-Treffen in Lissabon teilnehmen!

Veranstalter kündigt FPÖ-Vertreter auf Flyern an FP-Vertreter winken aber ab: Wissen nichts davon

Mehrere Indizien könnten laut Dokumentationsarchiv des Östereichischen Widerstandes (DÖW) darauf hindeuten, dass die FPÖ ihre Kontakte zum nationalen und rechtsextremen Lager in Europa derzeit ausbaut. So findet in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon ein "Tag der Nationalen Jugend" statt, der laut Flyer eine "nationalistische Megakonferenz" sein soll, bei dem die FPÖ als Teilnehmer angekündigt ist. Mehrere prominente Parteivertreter wie Bundespressereferent Karl-Heinz Grünsteidl und FP-Europaabgeordneter Andreas Mölzer, aber auch der stellvertretende Bundesobmann des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ), Alexander Landbauer, sagten der APA dazu, sie wüssten nicht, wie das Logo der FPÖ auf den Flyer gekommen sei. Auch in anderen Fällen werden bewusste Kontakte zur extremen Rechten zurückgewiesen.

Auf dem Flyer und dem Aufruf für das von der Partei der Nationalen Erneuerung (PNR) veranstaltete Treffen sind rechtsextreme und neonazistische Organisationen angekündigt: unter anderem die Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und ihre Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) sowie der Freie Widerstand, aus Frankreich der Front National (FN), die British National Party (BNP) aus Großbritannien, die Democracia Nacional e Combat aus Spanien, die Nordische Allianz aus Schweden und die rumänische Faschistengruppierung Noua Dreapta. Auf dem Flyer findet sich auch das Logo der FPÖ.

Pressesprecher: "Weiß nicht, wie Logo auf Flyer gekommen ist"
FP-Bundespressereferent Karl-Heinz Grünsteidl sagte dazu der APA: "Ich weiß nicht, wie das Logo der FPÖ auf den Flyer gekommen ist und ob jemand von uns an dem Treffen teilnimmt." Ähnlich äußerte sich Andreas Mölzer: "Ich höre das heute zum ersten Mal. Angesichts der handelnden Personen und Organisationen würde ich, ohne jemanden vorverurteilen zu wollen, Distanz anraten." Auch Alexander Landbauer vom RFJ sagte: "Ich weiß nichts davon. Der RFJ ist nicht die FPÖ. Wir haben auch keine Einladung dazu bekommen."

Zusätzlich brisant wird das als eines der größten nationalistischen Treffen der vergangenen Jahrzehnte angekündigte Meeting durch ein für den Abend avisiertes Konzert, bei dem unter anderem die spanische Band "Brigada Totenkopf" auftreten soll. Laut DÖW, das von dem Event Wind bekommen hatte, ist diese Gruppe dem Netzwerk der neonazistischen "Hammerskins" zuzuzählen. Mölzer dazu: "Auch davon weiß ich nichts, da fehlt mir auch der Zugang dazu. Ich mag mehr Schubert und Beethoven. 'Freude schöner Götterfunken', die Europahymne, gefällt mir."

Detail am Rande: Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete von einer Razzia der portugiesischen Polizei im Vorfeld des Treffens, bei der mehr als 30 der Skinheadszene zuzurechnende Personen festgenommen worden sein sollen. Der Präsident der PNR, Jose Pinto Coelho berichtete, dass sich einige Parteisympathisanten unter den Festgenommenen befinden sollen.

Kärnter Jugendobmann bei NS-Treffen in Sachsen
Als ein weiteres Indiz zur Intensivierung der FP-Kontakte zum rechtsextremen Lager wertet das DÖW, dass Christoph Töfferl, am 14. April zum Obmann des Kärntner RFJ gewählt und Mitglied des Kärntner FP-Vorstandes, in der "Deutschen Stimme", der Parteizeitung der NPD, mit einem Gastkommentar in der April-Ausgabe inklusive Foto verewigt ist. "Doch wehe, man bekennt sich zu seinen deutschen Wurzeln und ist stolz auf sein Volk mit seiner 1000-jährigen Geschichte. Dann haben einen die Bluthunde des Staates sofort gewittert", schreibt Töfferl dort.

"Bei dem Gastkommentar handelt es sich um eine Aussendung des RFJ Kärnten. Diese haben wir über unseren Verteiler ausgeschickt, und da befindet sich eben auch die 'Deutsche Stimme' darauf. Dass die einen Gastkommentar auf der ersten Seite daraus macht, war nicht beabsichtigt", sagte Töfferl der APA.

Im Februar 2007 fand ein Treffen der Europäischen Nationalen Front (ENF) in Risa in Sachsen statt. Laut Homepage der ENF, die das DÖW als einen "Zusammenschluss von Neonazis und Neofaschisten unter der Ägide der NPD" bezeichnet, hat auch daran ein Vertreter der FPÖ teilgenommen. Töfferl, der auf einem Gruppenfoto der Teilnehmer des Treffens zu erkennen sein dürfte, sagte dazu der APA: "Ja, ich war dort. Aber nicht als Vertreter der FPÖ, sondern als Privatperson."
(APA/red)