Neue Front im Handelskrieg ist eröffnet:
EU-Kommission gestattet Rewe-Adeg-Deal

Steht Österreich damit neue Teuerungswelle bevor Branche zittert jetzt vor neuem Handelsriesen

Neue Front im Handelskrieg ist eröffnet:
EU-Kommission gestattet Rewe-Adeg-Deal © Bild: APA/ Günter R. Artinger

Als es Mitte Dezember hieß, die deutsche Rewe-Gruppe bastle an der Übernahme von Adeg, ging ein lautes Raunen durch die Nation. Handelsketten warnten vor der Allmacht des Riesen, Konsumentenschützer witterten Preissteigerungen, Lieferanten sprachen hinter vorgehaltener Hand vom Anbruch harter Zeiten. Damals wollte aber noch niemand so recht glauben, dass die Übernahme je sang und klanglos über die Bühne gehen würde.

Doch nun ist Realität, was mit Ausnahme der Rewe-Manager niemand für möglich gehalten hätte: Die EU-Kommission wird den Deutschen beim Takeover von 75 Prozent an Adeg grünes Licht geben - und das ohne nennenswerte Auflagen. Naturgemäß will Spar-Chef Gerhard Drexel die neue Allmacht Rewes nicht kampflos hinnehmen. So liegt bereits eine Studie der deutschen Beratungsgesellschaft Lademann & Associates in seiner Schublade, die belegt, dass die Lebensmittelpreise in Österreich infolge der Übernahme von Adeg um zwei bis drei Prozent steigen werden. Auch AK-Wirtschaftsexperten und Konsumentenschützer warnen vor der sich abzeichnenden Preisrally. Doch an der Entscheidung werden ihre Proteste aller Voraussicht nach nichts ändern.

Keine Bedenken aus Brüssel
Wie berichtet, hat der Rewe-Konzern die Aufstockung seiner 24,9 Prozent an Adeg am 23. April offiziell in Brüssel angemeldet. Ursprünglich wollte Wettbewerbskommissarin Nelly Kroes Anfang Juni bekannt geben, ob sie den Fall einer tieferen Prüfung unterziehen lässt, also ob er in "Phase zwei" geht. Doch seither wurde der Termin schon zweimal, zuletzt auf kommenden Montag, verschoben. Der Grund dafür sollen neu aufgetretene Hürden sein. Insider sprechen hingegen unverblümt von lahmen EU-Beamten.

Brisante Pläne.
Der FORMAT vorliegende Markettest enthält ein Schreiben, in dem die EU-Kommission bereits die Weichen für die Übernahme stellt. Ein kurzer Blick zeigt, dass Rewe keine schmerzhaften Zugeständnisse machen muss: Die Deutschen dürfen sowohl die Magnet- Einzelhandelsmärkte als auch alle AGM-Märkte, also den gesamten Großhandel von Adeg, behalten.

Selbst innerhalb der EU-Kommission sorgen die milden Auflagen für Verwunderung. Denn erstmals wird damit europaweit für legitim erklärt, dass eine Handelskette einen Marktanteil von bis zu fünfzig Prozent aufweisen darf, bislang waren es "nur" dreißig. Zudem behaupten die Wettbewerbshüter, dass die hohe Konzentration nicht schuld an den Preissteigerungen sei - was AK-Expertin Maria Kubitschek bestreitet.

Erstarkter Riese
Durch den Rewe-Adeg-Deal erreicht die Konzentration ein noch nie da gewesenes Niveau. Kleine und mittelgroße Händler bangen bereits ums wirtschaftliche Überleben. "Es kann doch nicht sein, dass solch einer Anteilserhöhung zugestimmt wird", machte sich Nah-&-Frisch-Händler Leo Wedl erst unlängst Luft. Auch Arbeiterkammer und Konsumentenschutz warnen vor Preissteigerungen. VKI-Geschäftsführer Franz Floss: "Außerdem bestimmt Rewe bereits, was auf die Teller der Österreicher kommt."

Gerhard Drexel, Chef des zweitgrößten Lebensmittelhändlers Spar, denkt bereits daran, vor den EuGH zu ziehen. Über seine Sprecherin Nicole Berkmann lässt er nur ausrichten, zurzeit für keine Statements zur Verfügung zu stehen. Auch Rewe-Sprecherin Corinna Tinkler betont, dass Vorstandsvorsitzender Frank Hensel nichts zur Causa sagen möchte. Ähnliches lassen auch Sozialminister Erwin Buchinger und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein verlauten: "Kein Kommentar zu laufenden Verfahren." Bartenstein wird nachgesagt, dem Deal unkritisch gegenüberzustehen, Buchinger verlangt hingegen das Ende großer Handelsfusionen.

Laut Kubicek ist höchste Eile geboten, so die österreichische Regierung die fortschreitende Konzentration und damit die Preisrally aufhalten möchte: "Ein Anruf von Minister Bartenstein in Brüssel würde genügen, aber der blieb bislang aus."

Mehr dazu lesen Sie im aktuellen FORMAT 25/2008.