Neue Details zum Abschuss von "Bruno": Braunbär zwei Mal im Brustkorb getroffen

"Körperwelten"-Macher von Hagens will Kadaver! Flut von Strafanzeigen gegen Minister und Jäger

Auch Tage nach seinem Tod hält der Wirbel um Braunbär "Bruno" an. Bei den bayerischen Behörden ging seit dem Abschuss ein Flut von Strafanzeigen ein. Unterdessen legte das bayerische Umweltministerium den Obduktionsbefund der Universität München vor: Demnach starb Bruno durch zwei Gewehrkugeln. Kurz nach der Tötung war von einem einzigen Schuss die Rede gewesen. Auch um den Kadaver wird nun gestritten: "Körperwelten"-Macher Gunther von Hagens will "Bruno" in Scheiben schneiden und in einer Ausstellung präsentieren.

"Das Fell des Bären wies zwei Einschüsse auf", heißt es in dem Befund. Die beiden Projektile hätten zu Verletzungen in Lunge und Leber geführt und seien in der Unterhaut des Brustkorbes stecken geblieben. "Es kann davon ausgegangen werden, dass die inneren Verletzungen zu einem schnellen Tod des Bären geführt haben", erklärten die Tiermediziner nach Ministeriumsangaben. "Weitere Schussverletzungen waren nicht nachweisbar."

Das Umweltministerium erklärte, der Abschuss des Bären sei damit "waidgerecht ausgeführt" worden: "Der erste Schuss wurde aus rund 150 Metern Entfernung abgegeben, sicherheitshalber wurde ein zweiter Schuss gesetzt."

"Bruno" war gesund
Dem Befund des Instituts für Tierpathologie zufolge war "Bruno" gesund und habe sich in einem guten Ernährungszustand befunden: "Der Mageninhalt bestand aus 6,3 Kilogramm Fleisch und Pflanzenmaterial, unter anderem waren eine Milz, Niere und Lunge identifizierbar", erklärten die Mediziner. Der Bär wog den Angaben zufolge 110 Kilogramm. Beim Übergang vom Hals zum Kopf war "Bruno" 91 Zentimeter groß und vom Scheitel bis zum Steiß 1,30 Meter lang.

Wird Bär für "Körperwelten" filetiert?
Nun ist auch ein Streit um den Kadaver des Tieres entbrannt. Wie die Online-Ausgabe des deutschen Magazins "Der Spiegel" berichtete, will unter anderem der Plastinator Gunther von Hagens "JJ1" für seine "Körperwelten"-Ausstellung präparieren. Ähnlich wie der Deutsche schon ein Pferd, ein Kamel und einen Gorilla für die umstrittenen Schauen aufbereitet hatte, solle auch Bruno in Scheibchen aufgefächert werden.

"Ich will Bruno für die Ewigkeit erhalten, seine Muskelkraft samt Skelett dokumentieren. In Scheiben geschnitten, könnte ich auch den exakten Schusskanal der Gewehrkugel und die getroffene Lunge zeigen", sagte Hagens der "Bild"-Zeitung. "Nur die von mir erfundene Technik der Plastination ermöglicht die lebensnahe und dauerhafte Konservierung von Großtieren wie von Bär Bruno in Gänze, insbesondere auch seiner Organe", schrieb er laut Spiegel in einer Stellungnahme.

Hagens Heidelberger "Institut für Plastination" hat sich laut eigenen Angaben mehrfach beim Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz um den Kadaver bemüht. Spenden in der Höhe von 10.000 Euro an eine Tierschutzorganisation habe man den Behörden als Gegenleistung geboten. Bisher habe Hagens vom Ministerium stets eine Absage mit dem Hinweis bekommen, der Bär solle in Bayern verwertet werden. Dort habe man vor, Fell, Skelett und Organe der Öffentlichkeit und der Forschung zugänglich zu machen.

Prüfung durch Münchner Staatsanwaltschaft
Nach Angaben der Münchner Staatsanwaltschaft will die Behörde klären, ob nach dem Abschuss ein Anfangsverdacht für ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegeben sei. Dabei prüfe man, ob die Abschussgenehmigung formal in Ordnung gewesen sei, und "ob die Genehmigung veranlasst war", sagte der Leitende Staatsanwalt. Entscheidend ist demnach, von welcher Gefährdungslage die Behörden ausgehen mussten.

"Keine andere Möglichkeit als Abschuss"
Die Oberbehörde Jagd beim Amt der Tiroler Landesregierung hat die Abschussgenehmigung für Braunbär "JJ1" verteidigt. Es habe sich nach Einschätzung der Experten um einen "Risikobären" gehandelt, von dem eine konkrete Gefahr für Menschen ausgegangen sei. "Die Fachleute haben überhaupt keine andere Möglichkeit als einen Abschuss gesehen", sagte Vorstand Franz Krösbacher zur APA. Tirol ist unterdessen dem Bären-Management-Plan beigetreten.

Auch Deutsche bedauern "Brunos" Tod
Unterdessen löst "Brunos" Schicksal in der Bevölkerung immer mehr Anteilnahme aus. Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders n-tv bedauern 70 Prozent der Deutschen, dass der offiziell "JJ1" genannte Bär abgeschossen wurde. Lediglich 24 Prozent äußerten sich stattdessen erleichtert, dass von dem Wildtier keine Gefahr mehr ausgehe.

Empörung in Österreich
Unverständnis, Empörung und Kritik - das ist die Reaktion der Österreicher auf den Abschuss. Insgesamt habe sie einen bis zu fünf Zentimeter dicken Stapel mit Reaktionen auf dem Tisch liegen, berichtete Beate Striebel, Leiterin des Bärenprojekts im World Wide Fund for Nature.

Das bayerische Umweltministerium kündigte an, dass "Brunos" Fell bis Herbst ausgestopft werden soll. Welches Museum das Präparat erhalten soll, blieb noch unklar.

Flut von Strafanzeigen gegen Minister und Jäger
Der Abschuss von "Bruno" hat eine Flut von Strafanzeigen ausgelöst. Nicht nur bei der zuständigen Staatsanwaltschaft München II, sondern auch bei anderen Anklagebehörden sowie bei der Polizei sei bereits "eine Vielzahl" von Anzeigen eingegangen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl. "Anzeigen kommen laufend - bei uns sind es jetzt 15". Die Anzeigen richten sich unter anderem gegen Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) sowie die beim Abschuss beteiligten Jäger.

(apa/red)