Neue Banken-Stresstests im Frühsommer: Strengere Kriterien für robustere Ergebnisse

Geprüft werden dieselben 91 Banken wie im Vorjahr Michel Barnier fordert Rückmeldungen nach Tests

Neue Banken-Stresstests im Frühsommer: Strengere Kriterien für robustere Ergebnisse © Bild: EPA/Hoslet

Der neue Stresstest für Europas Banken soll nach dem Willen der Politik strenger als im vergangenen Jahr ausfallen. "Wir alle müssen die Lektionen der ersten Stresstests lernen und diese nun robuster und glaubwürdiger gestalten", erklärte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am Dienstag in Brüssel. Er fordert zudem verlässliche Rückmeldungen nach den Tests.

Die EU-Finanzminister sollen grundsätzlich einig darüber sein, im Rahmen der neuen Banken-Stresstests auch die Liquidität der Institute zu messen. Unklar bleibt zunächst weiterhin ob die Liquiditätsrisiken am Ende auch veröffentlicht werden. Die für die nächste Stresstest-Runde zuständige neue europäische Bankenaufsicht EBA hatte in der vergangenen Woche noch erklärt, diese speziellen Ergebnisse wohl nur den nationalen Aufsichtsbehörden zur Verfügung zu stellen. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sprach sich für die Liquiditätsmessung der Banken aus, über die Veröffentlichung sei aber noch nicht entschieden, sagte er. Unter anderem in Deutschland hatte sich zuletzt Widerstand dagegen geregt.

Im Frühsommer 2011 sollen die neuen Banken-Stresstests umgesetzt werden, hinter denen der österreichische Finanzminister Josef Pröll zu "100 Prozent" steht. Es gehe darum, ein klares Signal für mehr Transparenz zu geben. Im Rahmen der neuen Banken-Stresstests in diesem Jahr soll EU-Präsidentschaftskreisen zufolge auch die Liquidität der Institute gemessen werden. Getestet würden die gleichen 91 Geldhäuser wie im vergangenen Jahr. Dieses Mal solle der Test insgesamt aber strenger ausfallen. So sollen diesmal Stressszenarien nicht nur im Handelsbuch der Institute, sondern im Bankbuch abgebildet werden. Zudem werde die harte Kernkapitalquote (Core Tier 1) im Mittelpunkt stehen. Die genauen Kriterien sollten bis März ausgearbeitet werden, die Tests könnten dann bis Ende Mai abgeschlossen sein.

EU-Kreisen zufolge geht die Europäische Zentralbank (EZB) davon aus, dass dieses Mal wegen der strengeren Kriterien mehr Banken durchfallen. Konkrete Schätzungen darüber, wie viele Institute durchfallen könnten, gebe es aber noch nicht. Investoren bleiben allerdings ohnehin skeptisch. Ein hochrangiger Investmentbanker sagte gegenüber Reuters: "Die Tests werden so angelegt, dass genau die Ergebnisse rauskommen, die man haben will."

Barnier fordert Rückmeldung nach Tests
Der französische Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen Michel Barnier fordert Feedback-Instrumente für die neuen Banken-Stresstests. "Wir brauchen eine verlässliche Rückmeldung nach den Tests, ob irgendwelche Schwächen festgestellt wurden", so Barnier. Die Kommission werde die dafür notwendigen Instrumente zur Verfügung stellen. Die Tests müssten außerdem in allen Ländern einheitlich sein. Unter den EU-Mitgliedern herrsche Einigkeit über eine "totale Transparenz" der Ergebnisse.

Im Zuge des ersten europaweiten Stresstests im vergangenen Jahr waren von 91 Banken lediglich sieben Institute durchgefallen. Dies erweckte Zweifel an der Stichhaltigkeit der Ergebnisse. Damals war kein irisches Geldhaus durch den Test gefallen, obwohl der Staat wenig später Milliarden in den Bankensektor pumpen und das Land am Ende unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen musste.

(apa/red)