Neue iranische Atomanlage eingeweiht:
Ahmadinejad bei Eröffnung in Isfahan dabei

Bereits 7.000 Zentrifugen zur Uran-Anreicherung Iran hält trotz Protesten an Atomprogramm fest

Neue iranische Atomanlage eingeweiht:
Ahmadinejad bei Eröffnung in Isfahan dabei © Bild: Reuters/Homovandi

Der Iran hat zum "Nationalen Tag der Atomenergie" die jüngsten Erfolge in seinem umstrittenen Atomprogramm präsentiert. Präsident Mahmoud Ahmadinejad weihte in Isfahan eine neue Atomanlage ein, die Uranoxid für einen geplanten Schwerwasserreaktor herstellen soll. Der Chef des iranischen Atomprogramms, Gholamreza Aghazadeh, sagte, dass Teheran nun den gesamten Prozess zur Herstellung von nuklearen Brennstoffen beherrsche.

Zum gesamten Prozess der Herstellung von Brennelementen gehört neben der Uran-Anreicherung auch die Produktion von Uran-Pellets für Reaktoren sowie die von Brennstäben und deren Bündelung. Der Iran hat wiederholt versichert, sein Atomprogramm diene ausschließlich der Energiegewinnung. Der Westen schenkt diesen Beteuerungen keinen Glauben und fordert einen Verzicht auf die Uran-Anreicherungsaktivitäten.

7.000 Zentrifugen in Betrieb
Ahmadinejad zeigte sich von diesen Forderungen unbeeindruckt und berichtete in Isfahan auch von Fortschritten bei der Uran-Anreicherung. So seien in der Atomanlage Natanz zwei neue Arten von Zentrifugen zur Uran-Anreicherung getestet worden. Die Zentrifugen würden bessere Ergebnisse bei der Anreicherung des radioaktiven Materials bringen, erläuterte Aghazadeh. Insgesamt seien etwa 7000 Zentrifugen in Betrieb. Der Iran habe damit eine "neue Phase" bei der Uran-Anreicherung erreicht. Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) sprach im Februar in einem Bericht von 4000 Zentrifugen und 1500 weiteren, die aufgebaut oder getestet werden.

Ahmadinejad wies die westliche Forderung nach einem Verzicht auf die Uran-Anreicherung neuerlich zurück. "Diese Diskussionen sind veraltet. Die Zeit dafür ist vorbei", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" nach einer Vorausmeldung vom Donnerstag. Er wandte sich auch gegen den Vorwurf, sein Land habe beim Nuklearprogramm getarnt und getrickst: "Das ist eine große Lüge."

"Kein Interesse, Kernwaffe zu bauen"
Der iranische Staatschef betonte erneut, sein Land hege nicht die Absicht, eine Bombe herzustellen: "Wir haben kein Interesse, die Kernwaffe zu bauen", sagte er dem "Spiegel" zufolge weiter. Ahmadinejad reagierte mit Zurückhaltung auf das Angebot Obamas zu einem Neuanfang in den Beziehungen zwischen Washington und Teheran: "Wir begrüßen Änderungen, allerdings sind sie bis jetzt ausgeblieben", betonte er und fügte hinzu: "Wir warten darauf, dass Obama seine Pläne bekanntgibt, damit wir sie analysieren können."

Verhalten positiv reagierte Teheran auf die Ankündigung der USA, künftig direkt mit dem Iran über dessen Atomprogramm verhandeln zu wollen. Das "konstruktive Angebot" werde geprüft, sagte ein hochrangiger Berater von Präsident Mahmoud Ahmadinejad. Die sogenannte Sechser-Gruppe aus den USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland hatte EU-Chefdiplomat Javier Solana am Mittwoch gebeten, die iranische Regierung zu den Gesprächen einzuladen

Direkter Dialog mit Teheran
Die Sechser-Gruppe hatte bereits im März angekündigt, sie sei zum direkten Dialog mit Teheran über das umstrittene Atomprogramm bereit. Vor knapp drei Wochen bot zudem US-Präsident Obama dem Iran einen "Neubeginn" in den beiderseitigen Beziehungen an. Bisher haben die USA und Europa versucht, den Iran mit einer Mischung aus Sanktionen und der Aussicht auf weitreichende Wirtschaftsbeziehungen zur Abkehr von seinen Atomplänen zu bewegen.

(apa/red)