Nestroy-Gala im Theater an der Josefstadt: Clever und Ofczarek sind beste Schauspieler

Preise für Karin Beier und "Versunkene Kathedrale" Walter Schmidinger für Lebenswerk ausgezeichnet

Nestroy-Gala im Theater an der Josefstadt: Clever und Ofczarek sind beste Schauspieler

Im Wiener Theater in der Josefstadt wurde der Theaterpreise Nestroy 2006 verliehen. Bei der von Michael Maertens und Nicholas Ofczarek in einer "friedlich-paritätischen Moderations-Kooperation zwischen Österreich und Deutschland" (Ofczarek) moderierten Gala sind die ersten Preise vergeben worden. Beste Schauspielerin wurde die große deutsche Schauspielerin Edith Clever (65) als Die ältere Frau in Jon Fosses "Schlaf" im Akademietheater.

An Stelle von Clever, die in Berlin unabkömmlich war, nahm ihre Kollegin Mareike Sedl den Preis entgegen. In dieser Kategorie ebenfalls nominiert waren Judith Hoffmann und Christiane von Poelnitz. Die gebürtige Wuppertalerin Clever zählte zum legendären Ensemble der Berliner Schaubühne und gilt als eine der besten Sprecherin des deutschsprachigen Theaters. In "Schlaf" spielte sie beklemmend eine hilflose Frau.

Regie-Preis an Karin Beier
Der Nestroy für die Beste Regie ging an Karin Beier ("Die schönste Intendantin Deutschlands" so die Moderatoren) für "Kleinbürger" von Maxim Gorki im Akademietheater. Beier, die sich herzlich bei Burgtheater-Direktor Klaus Bachler und seiner Stellvertreterin Karin Bergmann bedankte, wird im September 2007 Intendantin in Köln. Ebenfalls nominiert waren David Bösch für "Viel Lärm um nichts" von William Shakespeare und Christiane Pohle für "Die versunkene Kathedrale" von Gert Jonke im Akademietheater.

"Die versunkene Kathedrale" bestes Stück
Der Kärntner Gert Jonke nahm von Robert Hunger-Bühler die Auszeichnung "Bestes Stück - Autorenpreis" für sein Stück "Die versunkene Kathedrale" entgegen. Bereits 2003 war er für seine "Chorphantasie" ausgezeichnet worden. Hunger-Bühler las dem "lieben Gert" einen Brief vor.

Gert Jonke, der sich als "Vertreter der leisen Zwischentöne" bezeichnete, der gelegentlich gerne "einen Tobsuchtsanfall kriegen" würde, bedankte sich mit einem zweizeiligen Gedicht mit dem Titel "Fluch des Wüstenförsters im Kampf gegen die Verschlampung der Fata Morgana".

4. "Nestroy" für Zehetgruber
Der "Nestroy" für die beste Ausstattung ging bereits zum vierten Mal (nach 2001 für "Glaube und Heimat", 2002 für "Letzter Aufruf" und 2004 für "Don Carlos") an Martin Zehetgruber. Diesmal wurde er für "Höllenangst" von Johann Nestroy ausgezeichnet, eine Produktion der Salzburger Festspiele in Zusammenarbeit mit dem Burgtheater. Alexandra Henkel nahm den Preis, der von den Moderatoren bereits zuvor ironisch in den "Martin-Zehetgruber-Preis" umgenannt worden war, in Vertretung des nicht anwesenden Zehetgruber entgegen. Ebenfalls nominiert waren Katrin Brack für "Tartuffe" und Lena Kvadrat für die Kostüme in "The Lady in de Tutti Frutti Hat".

Calis "bester Nachwuchs"
Die Auszeichnung als bester Nachwuchs ging an den aus Bielefeld gebürtigen Regisseur Nuran David Calis für die Inszenierung von Friedrich Schillers "Die Räuber" im Volkstheater, die er mit viel Musik im Hip-Hop-Bandenmilieu ansiedelte. Ebenfalls nominiert waren Florian Carove als Gwendolen in Oscar Wildes "Bunbury" im Theater in der Josefstadt und Silvia Meisterle als Miranda in Alan Ayckbourns "Miranda im Spiegelland" im Theater der Jugend.

Spezialpreis für Pflegerl
Einen Spezialpreis für seine Leistungen als Intendant des Klagenfurter Stadttheaters seit 1992 nahm Dietmar Pflegerl entgegen. Die Laudatio hielt der Autor Peter Turrini. dessen Stück "Bei Einbruch der Dunkelheit" im vergangenen Jänner in Klagenfurt unter der Regie von Pflegerl uraufgeführt wurde. Turrini würdigte den "edlen und mutigen Freund", "seinen Mut und seine Leidenschaft, gegen das politisch Widerwärtige und für das künstlerische Neue zu kämpfen": "Es entstand ein anderes Kärnten - möglicherweise nur in und um das Stadttheater Klagenfurt. Ich, ein Kärnten-Flüchtling, fühle mich in dieser Bannmeile wieder beheimatet."

"Hoch much, Schatzi?" beste Off-Produktion
Als beste Off-Produktion wurde "How much, Schatzi?" von H.C. Artmann des Projekttheaters Vorarlberg ausgezeichnet. Den Preis nahm die Regisseurin Susanne Lietzow, sowie das Produzenten-Team Dietmar Nigsch und Maria Hofstätter entgegen. Hofstätter wünschte sich "vom Sekretär" (Kunststaatssekretär Franz Morak, Anm.) würdige Arbeitsbedingungen "und eine Künstlersozialversicherung, die diesen Namen auch verdient", sowie für die Zukunft des Nestroys-Preises "einen Hauptsponsor, der auch wieder bereit ist, ein Preisgeld zu stiften".

Preise für Roll und Ofczarek
Den "Nestroy" für die beste Nebenrolle erhielt die 1939 Heidelberg geborene Schauspielerin Gertrud Roll für ihre Darstellung der Gräfin in Peter Turrinis "Bei Einbruch der Dunkelheit" im Stadttheater Klagenfurt. Ebenfalls nominiert waren Dietmar König als Oberarzt in Gert Jonkes "Die versunkene Kathedrale" und Caroline Peters als Rosalie in Johann Nestroys "Höllenangst".

Bester Schauspieler wurde Nicholas Ofczarek für seine Darstellung als Wendelin in Johann Nestroys "Höllenangst", eine Produktion der Salzburger Festspiele in Zusammenarbeit mit dem Burgtheater. Im Vorjahr war der Preis ebenfalls an ihn gegangen, damals ex aequo mit Michael Maertens, der als Mortimer in John Kesselrings "Arsen und Spitzenhäubchen" im Akademietheater ebenso wieder nominiert war. Ebenfalls nominiert war heuer Joachim Meyerhoff, der von den Moderatoren zum Öffnen des Sieger-Kuverts auch auf die Bühne gebeten wurde, für seine künstlerische Gesamtleistung in der Saison 05/06 im Burg- und Akademietheater.

"Höllenangst" beste Aufführung
Beste deutschsprachige Aufführung wurde "Höllenangst" von Johann Nestroy in der Inszenierung von Martin Kusej, eine Produktion der Salzburger Festspiele in Zusammenarbeit mit dem Burgtheater. Damit gingen insgesamt drei "Nestroys" (zusammen mit dem Hauptdarsteller-Preis an Ofczarek und dem Ausstattungs-Preis an Zehetgruber) an die "Höllenangst"-Inszenierung. Den Preis nahm Burgtheater-Direktor Klaus Bachler entgegen. Ebenfalls nominiert waren "dunkel lockende welt" von Händl Klaus in der Inszenierung von Sebastian Nübling an den Münchner Kammerspielen sowie "Hedda Gabler" von Henrik Ibsen in der
Inszenierung von Thomas Ostermeier an der Berliner Schaubühne.

"Lebenswerk" an Schmidinger
Abschließend wurde der 73-jährige aus Linz gebürtige Schauspieler Walter Schmidinger mit dem "Nestroy" für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Klaus Maria Brandauer. "Ein Träumer bist du - und ein totaler Realist", würdigte Brandauer seinen Kollegen, der in seiner über 50-jährigen Karriere mit Regisseuren wie Peter Zadek, Klaus Michael Grüber, Robert Wilson, Luc Bondy und Ingmar Bergman zusammengearbeitet hat. "Es gibt kaum eine wichtige Figur, die du nicht gespielt hast - vom Nathan bis zum Mephisto", sagte Brandauer, "Du hast eine tiefe Musikalität und den Fluch des absoluten Gehörs. Jeder falsche Ton kann Dich krank machen." Schmidinger wurde mit langen Standing Ovations gefeiert. "Ich bin mir heute vorgekommen, als wäre ich aus einer längst vergangenen Zeiten", meinte er in seiner Dankesrede, in der er an sein erstes Engagement am Theater in der Josefstadt 1952 erinnerte. (apa/red)